geprüft 2010
Leistungsbericht

Ökologie

Bayer misst dem Schutz der Umwelt und dem verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen eine große Bedeutung zu. Wir setzen unsere Kompetenzen und Erfahrungen sowohl bei der Entwicklung innovativer Produkte zum Schutz der Umwelt, der Natur und des Klimas ein als auch bei der Optimierung von Technologien und Prozessen.
Mit moderner Technologie zu sauberem Wasser: Simone Schnell (l.) und Jürgen Schiefers von Currenta begutachten in der Kläranlage eine Wasserprobe, die mithilfe der innovativen Kaskadenbiologie aufbereitet wurde.
Unser frühzeitiges Bekenntnis zur „Responsible Care™“-Initiative [ 130 ] der chemischen Industrie unterstreicht unseren Willen zur kontinuierlichen Verbesserung von Produktlinien und Produktionsprozessen. Dabei stützen wir uns auf unsere leistungsfähigen HSE-Managementsysteme, die die Implementierung unserer Umweltschutzmaßnahmen steuern. Seit über 30 Jahren berichten wir ausführlich über die mit unserer Unternehmenstätigkeit verbundenen Auswirkungen auf die Umwelt. Die „Bayer Sustainable Development Policy“ [ 131 ] legt auch den Rahmen unseres ökologischen Handelns fest.

Ziele

Klimaschutz (Ziel 2020)

  • Reduktion der spezifischen Treibhausgas-Emissionen um 35 % (direkte und indirekte Emissionen in Relation zur produzierten Verkaufsmenge) im Zeitraum 2005-2020

Verfahrens- und Anlagensicherheit (Ziel 2015)

  • Umsetzung der Bayer-weiten Initiative zur Steigerung der Verfahrens- und Anlagensicherheit. Bis Ende 2012 gezielte Schulung von weltweit 40.000 Mitarbeitern in Verfahrens- und Anlagensicherheit

Emissionen (Ziel 2015)

  • Senkung weiterer relevanter Emissionen (ODS -70 %, VOC -50 %)

Abfall (Ziel 2015)

  • Reduktion des spezifischen gefährlichen Abfalls aus der Produktion auf 2,5 % in Relation zur produzierten Verkaufsmenge

Material- und Energieeinsatz

In Anbetracht steigender Rohstoff- und Energiepreise sind Material- und Energieeffizienz sowie Prozess- und Produktinnovationen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Bayer setzt konzernweit neue Strategien ein, um die Ressourceneffizienz zu optimieren, Emissionen zu verringern und Abfälle zu vermeiden.
Aufgrund der unterschiedlichen Geschäftsaktivitäten sind bei Bayer der produktions-spezifische Einkauf und die Produktion dezentral in den Teilkonzernen organisiert. Detaillierte Angaben zum Einsatz von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen des jeweiligen Teilkonzerns finden Sie in unserem Geschäftsbericht 2010. Wenn es unter technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist, setzen wir auf den Einsatz nachwachsender Rohstoffe [ @132 ] [ 133 ], die in Bezug auf unseren gesamten Rohstoffeinsatz aber noch keine hervorgehobene Rolle spielen.
Um den Einsatz von Ressourcen wie Energie, Wasser und Rohstoffe ganzheitlich zu analysieren und Maßnahmen zur Minimierung des Verbrauchs zu identifizieren, hat Bayer mit dem „Ressourceneffizienz-Check“ im Rahmen seines Nachhaltigkeitsprogramms [ 134 ] ein weiteres Leuchtturm-Projekt gestartet. Mit diesem Instrument können prozessorientierte Optimierungen zur Ausbeutesteigerung, beim Recycling, bei der Nutzung von Nebenprodukten und der Aufarbeitung für Abwasser oder Abluft erfolgreich identifiziert werden. 2010 wurde der Ressourceneffizienz-Check in Pilotprojekten bei Bayer MaterialScience und Bayer CropScience eingesetzt.
Material- und Energieeinsatz sowie Emissionen werden maßgeblich durch die produzierte Verkaufsmenge bestimmt. Sie ist eine Referenzgröße, die wir zur Bewertung der Energie- und Ressourceneffizienz nutzen.
Im Jahr 2010 hat Bayer die produzierte Verkaufsmenge, u. a. aufgrund der globalen konjunkturellen Erholung gegenüber dem Vorjahr um rund 20 % gesteigert.
14_Energieeinsatz und produzierte Verkaufsmenge
20062007200820092010
Absoluter Energieeinsatz (in Petajoule)80,585,382,877,385,7
Produzierte Verkaufsmenge (in Mio. Tonnen)10,110,610,08,710,4
Der Konzern-Energieeinsatz stieg gegenüber dem Vorjahr nur um 10,8 % auf 85,7 Petajoule. Dies erklärt sich wesentlich aus der besseren Auslastung der Anlagen. Zur Ermittlung des konzernweiten Energieeinsatzes erfassen wir die Verbrauchszahlen an unseren Produktionsstandorten. Reine Verwaltungsstandorte tragen nur etwa 1 % zum Energieaufwand des Konzerns bei.
Die Grafik „Energienutzung im Bayer-Konzern“ zeigt den Einsatz von Primärenergie wie Erdgas, Kohle oder anderen Energiequellen als Ausgangspunkt für unsere eigene Energieerzeugung. Die Primärenergieumwandlung beträgt 51.632 Terajoule. Zusätzlicher Dampf aus Abwärme sowie eingekaufter Strom und Dampf summieren sich zum Gesamtenergieumsatz von 86.305 Terajoule. Abzüglich der verkauften Kälteenergie an Dritte ergibt sich für Bayer im Jahr 2010 ein Gesamtenergieeinsatz von 85.710 Terajoule (85,7 Petajoule).
15_Energienutzung im Bayer-Konzern (in Terajoule/a)

Emissionen in die Luft

Die Treibhausgas-Emissionen berichten wir nach der Vorgabe des „Greenhouse Gas Protocol“ (GHG-Protocol [ 135 ]). Dabei werden die Emissionen über die zurückliegenden Jahre portfoliobereinigt in Übereinstimmung mit dem „Financial control"-Ansatz des GHG-Protokolls dargestellt. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die direkten Emissionen um etwa 5 % an, gegenüber einem Produktionszuwachs von rund 20 %. Die Entkopplung von der Produktionsmenge konnte durch verfahrenstechnische Verbesserungen und höhere Auslastung der Anlagen realisiert werden.
Unsere eigenen Kraftwerke verursachen einen wesentlichen Teil der direkten Treibhausgas-Emissionen. Da wir Energie auch an Dritte liefern, führt eine Verringerung des Energieeinsatzes bei den Bayer-Produktionsanlagen nicht zwingend zu einer proportionalen Minimierung bei unseren direkten Treibhausgas-Emissionen.
Die Summe aus direkten und indirekten Treibhausgasen nahm 2010 gegenüber dem Vorjahr um nur 4,9 %, die produzierte Verkaufsmenge dagegen um rund 20 % zu.
16_Treibhausgas-Emissionen* Konzern (in Mio. t CO2-Äquivalenten)
20062007200820092010Ziel 2020
Direkte Emission von Treibhausgasen**5,715,595,094,574,80
Indirekte Emission von Treibhausgasen***3,673,713,573,533,70
Gesamte Treibhausgas-Emissionen9,389,308,668,108,50
Spezifische Treibhausgas-Emissionen
(t CO2-Äquivalente pro t Produkt
0,79****
-35 %

* Portfoliobereinigt nach GHG-Protocol
** 2010 waren 82,0 % der Treibhausgas-Emissionen CO2-Emissionen, 17,6 % N2O-Emissionen, rund 0,3 % teilfluorierte Kohlenwasserstoffe sowie 0,1 % Methan.
*** Typischerweise macht CO2 bei Verbrennungsprozessen mehr als 99 % aller Treibhausgas-Emissionen aus. Daher beschränken wir uns bei der Berechnung der indirekten Emissionen auf CO2.
**** Auf Basis der Werte von 2005. Darstellung der Treibhausgas-Emissionen portfoliobereinigt, keine Portfoliobereinigung der Produktionsmengen; Emissionen der Currenta aus Energiebereitstellung wurden herausgerechnet und bei BMS sind die bei der Produktion anfallenden Nebenprodukte Natronlauge und Salzsäure nicht berücksichtigt, weil diese aufgrund von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz künftig in wesentlich geringerer Menge entstehen werden. Auch Handelsprodukte werden nicht berücksichtigt.

17_ Treibhausgas-Emissionen für Teilkonzerne und Servicegesellschaften  (Summe der direkten und indirekten Emissionen, in Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten)
20062007200820092010Ziel 2020*
Bayer MaterialScience5,945,555,064,835,24
Bayer HealthCare0,580,570,560,550,540,53
-10 %
Bayer CropScience1,151,181,201,091,091,03
-15 %
Sonstige**0,020,020,020,020,02
Currenta***1,691,981,821,621,62
Spezifische Treibhausgas-Emissionen Bayer MaterialScience (t CO2-Äquivalente pro t Produkt)****1,141,010,991,090,960,70
-40 %

* Portfoliobereinigt auf Basis der Werte des Jahres 2005
** Summe der Treibhausgas-Emissionen von Bayer Technology Services und Bayer Business Services
*** Die für Currenta ausgewiesenen Emissionen gehen auf die Energiebereitstellung an Chemiepark-Partner zurück.
**** Bei der Produktionsmenge werden die bei der Produktion anfallenden Nebenprodukte Natronlauge und Salzsäure nicht berücksichtigt, weil diese aufgrund von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz künftig in wesentlich geringerer Menge entstehen werden. Auch Handelsprodukte werden nicht berücksichtigt. Interne Untersuchungen bei BMS haben ergeben, dass in den vorherigen Jahren ausgewählte Polycarbonat-Materialien (sog. Compounds) nicht mit eingerechnet wurden, weil dies scheinbar zu einer Doppelzählung geführt hätte. Bei näherer Betrachtung stellte sich dies allerdings als falsch heraus. Aus diesem Grund wurden diese Materialien nun rückwirkend in die ausgewiesenen BMS-Produktjahresmengen mit eingerechnet.

Bayer MaterialScience konnte durch den katalytischen Abbau der anfallenden Lachgas-Emissionen beim Betrieb einer Salpetersäure-Anlage in Caojing (China) die dortigen CO2-Äquivalente um mehr als die Hälfte reduzieren.

News

Lachgas-Ausstoß deutlich gesenkt

Lachgas ist besonders klimaschädlich: Es trägt über 300 Mal mehr zur Erderwärmung bei als Kohlendioxid. Im Bayer-Konzern fällt dieses Treibhausgas bei der Herstellung von Salpetersäure an, einem wichtigen chemischen Rohstoff. Durch Modernisierung der Anlagen an den drei Produktionsstandorten wird der Lachgas-Ausstoß deutlich verringert. So sinken die Emissionen der Anlage in Dormagen dank eines neuen Verfahrens jetzt um bis zu 99 %. Das bedeutet die zusätzliche Vermeidung von 220.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr – so viel, wie 100.000 Autos mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern ausstoßen. Durch den Einbau eines Sekundär-Katalysators am Standort Caojing (China) konnten die Lachgas-Emissionen dort bereits um rund 50 % reduziert werden. Auch in der Salpetersäureanlage in Baytown (USA) sollen durch einen im 2. Halbjahr 2010 eingebauten Sekundär-Katalysator die Lachgas-Emissionen zukünftig erheblich gesenkt werden.
Ein weiteres Beispiel ist ein von Bayer mit Partnern entwickeltes neuartiges klimafreundliches Verfahren zur Chlorherstellung. Die Sauerstoffverzehrkathoden-Technologie auf Kochsalzbasis, ein Leuchtturm-Projekt des Bayer-Nachhaltigkeitsprogramms, macht zukünftig eine Energiereduzierung um 30 % in der Chlorproduktion möglich. Bayer plant, 2011 in Deutschland eine Anlage mit einer Kapazität von zunächst 20.000 Jahrestonnen in Betrieb zu nehmen. Bis 2020 sollen durch dieses Verfahren 250.000 Tonnen weniger CO2-Äquivalente ausgestoßen werden.
Currenta spart im Rahmen seines Klimaprogramms „Energieeffizienzklasse A++“ CO2-Emissionen ein – z. B. jährlich 30.000 Tonnen mittels der im März abgeschlossenen Modernisierung der zentralen thermischen Abluftverbrennungsanlage im Chempark Dormagen.

Emissionshandel

Bayer nimmt EU-weit derzeit mit elf Anlagen und ca. 2,5 Millionen Tonnen CO2 am Emissionshandel teil. Bayer konnte in der ersten Handelsperiode (2005-2007) mit den zugeteilten Emissionsberechtigungen die eigenen Kraftwerke betreiben, ohne in größerem Umfang Zertifikate zukaufen zu müssen.
Auch in der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 ist der Emissionshandel für Bayer ein wichtiges Thema: Die momentan gültigen Zuteilungsregeln berücksichtigen die klimaschonende Energieerzeugung in unseren Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Die neue EU-Emissionshandelsrichtlinie sieht allerdings vor, dass ab 2013 die Zertifikate für die Stromerzeugung auch von der Industrie gekauft werden müssen. Für Chemieanlagen wird eine Zuteilung von Zertifikaten auf Basis von anspruchsvollen Benchmarks erfolgen. Obwohl durch die von der EU-Kommission vorgesehenen Regelungen für sogenannte gefährdete Sektoren die Belastungen deutlich reduziert werden sollen, müssen wir ab 2013 von weiteren Kostensteigerungen ausgehen.

Weitere Emissionen

Die Emissionen von ozonabbauenden Substanzen, auch ODS-Emissionen („Ozone Depleting Substances“) genannt, nahmen 2010 um etwa 19 % auf 20,8 Tonnen zu. Zum ersten Mal seit Jahren konnten wir damit 2010 unser Ziel, die Menge an Ozon abbauenden Substanzen unter 20,0 Tonnen zu halten, nicht einhalten. Als wesentliche Gründe lassen sich zwei Einzelereignisse an zwei großen Produktionsstandorten nennen. Am Bayer-MaterialScience-Standort Baytown (USA) verursachte eine vorübergehende Leckage im Kühlkreislaufsystem das Entweichen von Kühlgasen mit ODS-Potenzial. Am Bayer-CropScience-Standort Dormagen (Deutschland) gelangten ebenfalls aufgrund einer vorübergehenden Undichtigkeit ozonschädliche Emissionen aus einer Anlage in die Umgebung. 73 % unserer gesamten ODS-Emissionen im Konzern fallen allerdings am Bayer-CropScience-Standort Vapi (Indien) an. Durch Verfahrensoptimierungen und zusätzliche technische Maßnahmen in der Abluftreinigung wollen wir vor allem dort unsere ODS-Emissionen zukünftig reduzieren. In unserem neuen Ziele-Programm haben wir uns vorgenommen, die ODS-Emissionen bis 2015 um 70 % zu reduzieren.
18_Emissionen ozonabbauender Substanzen* 
20062007200820092010Ziel 2010Ziel 2015**
ODS in t/a13,114,7 17,117,520,820,06,2    - 70 %

* in CFC-11-Äquivalenten
** Ziel bis 2015 auf Basis der Werte von 2010

Die Menge der flüchtigen organischen Verbindungen („Volatile Organic Compounds“ – VOC) sank gegenüber dem Vorjahr um etwa 2 %. Mehr als 70 % dieser VOC-Konzern-Emissionen werden am Bayer-CropScience-Standort Vapi (Indien) emittiert. Ein Projekt zur Errichtung von Abluftreinigungsanlagen befindet sich in der Planungsphase. Bis zum Jahr 2015 wollen wir mit dieser Maßnahme die voc-Emissionen signifikant reduzieren. Einen deutlichen Rückgang verzeichnete die BCS-Produktionsanlage in Roussillon (Frankreich) durch den Einbau einer neuen Abluftverbrennungsanlage. Am Bayer-HealthCare-Standort Orizaba in Mexiko wurden Produktionsverfahren umgestellt, sodass die dortigen voc-Emissionen um 38 % gesenkt werden konnten. Für den Gesamtkonzern reduzierten sich die spezifischen voc-Emissionen auf 0,2436 kg pro Tonne Verkaufsprodukt. Damit haben wir das im Ziele-Programm 2006+ [ 136 ] gesetzte Ziel erreicht.
19_VOC-Emissionen
20062007200820092010Ziel 2010Ziel 2015*
VOC in 1.000 t/a2,862,873,162,592,54
VOC in kg/t Verkaufs- produkt0,28320,27080,31600,29790,2436
0,25
0,1218
-50 %

* Ziel bis 2015 auf Basis der Werte von 2010

Weitere wichtige Emissionen wie Kohlenmonoxid und Schwefeloxide sind um 77 Tonnen bzw. 855 Tonnen gegenüber dem Vorjahr trotz angestiegener Produktionsmenge leicht gesunken. Eine Zunahme verzeichneten wir bei der Menge der Stickoxide, bedingt durch gestiegene Produktionsaktivitäten an unseren großen Produktionsstandorten. Die Staubmenge lag 2010 weltweit bei rund 203 Tonnen und damit 17 Tonnen unter Vorjahresniveau (220 Tonnen).
20_Weitere wichtige Emissionen in die Luft (in 1.000 t/a)
20062007200820092010
CO2,22,01,71,41,4
NOx4,04,03,93,53,7
SOx3,83,63,22,82,7
Staub0,20,20,20,20,2

Wassernutzung und Emissionen in das Wasser

Wasser ist lebenswichtig. Durch die Entwicklung und Förderung von Lösungen für eine effiziente und schonende Wassernutzung leistet Bayer einen Beitrag zum Erhalt dieser wichtigen Ressource. Dies gilt sowohl in der eigenen Produktion, wie auch für die Entwicklung von Produkten, z. B. für die Landwirtschaft (siehe Kapitel „Ernährung“).

Verantwortlicher Umgang mit Wasser

Bayer unterstützt seit Ende 2008 das „CEO Water Mandate“ [ @137 ], eine Initiative des UN Global Compact. Eine Liste mit Beispielen belegt unser systematisches Engagement für eine nachhaltige Wassernutzung im Berichtsjahr 2010. Darüber hinaus haben wir uns an dem in 2010 erstmals vom „Carbon Disclosure Project“ durchgeführten „Water Disclosure Project“ [ 138 ] beteiligt. 137 institutionelle Investoren hatten 302 der weltweit größten Unternehmen aufgefordert, ihr Wassermanagement sowie identifizierte Chancen und Risiken im Umgang mit Wasser offenzulegen.
Alle drei Bayer-Teilkonzerne haben Systeme und Standards implementiert, die ihren spezifischen Herausforderungen im Umgang mit Wasser gerecht werden. Bayer HealthCare verpflichtet sich in der „Water Protection Directive“ zur verantwortlichen Nutzung von Wasser. Auch Bayer CropScience bekennt sich zum Wasserschutz und nachhaltiger Nutzung, Bayer MaterialScience regelt in seiner HSEQ-Policy u. a. den ressourcenschonenden Einsatz von Wasser.

Wassereinsatz

Der Wassereinsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 16,5 %, in Relation zum Anstieg der Produktionsmenge um rund 20 % ist der spezifische Wassereinsatz jedoch leicht gesunken. Der Anstieg geht maßgeblich auf eine Zunahme der Menge an Durchlaufkühlwasser aufgrund der gestiegenen Produktion, an den BMS-Standorten Brunsbüttel, Leverkusen (beide Deutschland) und Antwerpen (Belgien) zurück. Des Weiteren hatte eine kurzfristige Leckage im Kühlwassersystem am BCS-Standort Institute (USA) Einfluss auf den Anstieg der eingesetzten Wassermengen.
Wassernutzung im Bayer-Konzern (in Mio. m3)

Wasserverwendung

85 % des von Bayer genutzten Wassers ist Kühlwasser (inklusive Verdunstungsverlusten), das ausschließlich erwärmt wird und nicht mit Produkten in Kontakt kommt. Eine Rückführung in den Wasserkreislauf ist im Rahmen der behördlichen Genehmigungsvorgaben ohne weitere Behandlung möglich. Wir versuchen in unserer Produktion Wasser mehrfach zu nutzen und wieder aufzubereiten. Bereits an 35 Standorten wird Wasser rezykliert und wiederverwendet, z. B. in geschlossenen Kühlwasserkreisläufen, durch die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser oder die Rückführung von Dampfkondensaten als Prozesswasser. Im Berichtsjahr konnten insgesamt 14 Millionen Kubikmeter Wasser wiederverwendet werden.
22_Nettoaufnahme von Wasser nach Bezugsquelle
20062007200820092010
Wassereinsatz (in Mio. m³ pro Jahr)442447439407474
– davon aus Oberflächengewässern (in %)5357585871
– davon aus Bohrungen/Quellen (in %)3532323225
– davon aus öffentlicher Trinkwasserversorgung (in %)22113
– davon aus anderen Quellen, i.d.R. Regenwasser (in %)99991*

* Durch eine Optimierung der Wasserbilanzierung konnte der Wasserverbrauch aus anderen Quellen für das Jahr 2010 weitestgehend den tatsächlichen Bezugsquellen zugeordnet werden.

Wasserableitung

Nach einem Anstieg der Abwassermenge im vergangenen Jahr konnte diese im Berichtszeitraum wieder um ca. 9 % gesenkt werden. Von den 69 Millionen Kubikmetern wurden 54 Millionen als Abwasser in Abwasseranlagen wieder aufbereitet. Damit konnten wir konzernweit den Anteil an Abwässern, die in einer Abwasserbehandlungsanlage gereinigt werden, von 67 % im Vorjahr auf nun über 78 % steigern. Auch die nicht behandelten Abwässer unterliegen einer strengen Überwachung und Bewertung, bevor sie in die Entsorgungswege geleitet werden.
23_Abwassermengen
20062007200820092010
Abwassermengen in Mio. m³7880687669
24_Emissionen in das Wasser (absoluter Wert)
20062007200820092010Ziel 2010
Phosphor
(in 1.000 t/a)
0,810,990,780,740,09
Stickstoff
(in 1.000 t/a)
0,730,680,670,640,49
Stickstoff
(in kg pro t Verkaufsprodukt)
0,07230,06420,06690,07370,0474
0,0536
TOC*
(in 1.000 t/a organisch gebundener Kohlenstoff)
1,491,771,591,351,42
TOC
(in kg pro t Verkaufsprodukt)
0,1470,1670,1590,1550,136
0,138
Schwermetalle
(in t/a)
8,08,910,49,011,4
Anorganische Salze
(in 1.000 t/a)
843825812726866
CSB** – chemischer Sauerstoffbedarf
(in 1.000 t/a)
4,475,314,774,054,26

* Total Organic Carbon
** Rechnerischer Wert auf Basis der TOC-Werte (TOCx3=CSB)

Emissionen in das Wasser

Bayer will seine Emissionen in das Wasser so gering wie möglich halten. Durch eine Verfahrensoptimierung bei der Produktion von MakrolonTM in Baytown (USA) konnten wir die Phosphor-Emissionen als Phosphat 2010 komplett vermeiden. Konzernübergreifend konnte somit eine Reduktion von 88 % erreicht werden. Am Standort Berkeley (USA) wurde durch die Schließung eines Produktionsbereichs die benötigte Menge an Phosphorsäure erheblich reduziert, die dort zur Neutralisation von Abwässern eingesetzt wurde.
Die Stickstoff-Emissionen gingen gegenüber dem Vorjahr um etwa 23 % zurück. Mit Blick auf den Anstieg der produzierten Verkaufsmenge verbesserte sich die spezifische Stickstoffmenge auf nunmehr 0,0474 kg je Tonne der produzierten Verkaufsmenge und hat damit die Zielvorgabe für 2010 von 0,0536 kg/t deutlich unterschritten. Eine erhebliche Menge an Stickstoff fällt bei der Produktion eines Insektizids am Standort Institute (USA) an. Aufgrund eines sechsmonatigen Stillstands dieser Produktion gingen die Mengen 2010 entsprechend zurück. Am Standort Leverkusen reduzierte sich der Wert, weil die Bestimmungsmethode zur Stickstoffvorbelastung von eingesetzten Wassermengen verbessert wurde. Die Werte für Emissionen organischen Kohlenstoffs („Total organic carbon“ – TOC) stiegen im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr um rund 5,2 %. Aufgrund der gestiegenen produzierten Verkaufsmenge ist die spezifische TOC-Menge auf 0,136 kg pro Tonne Verkaufsprodukt gesunken. Damit ist die Zielvorgabe für 2010 voll erfüllt. Ursache für den TOC-Anstieg ist die Produktionszunahme an den BMS-Standorten Dormagen (Deutschland), Caojing (China) und New Martinsville (USA). Jedoch hatten auch konjunkturunabhängige Faktoren wie etwa bauliche Abrissmaßnahmen an einzelnen Standorten einen Einfluss auf den erhöhten TOC-Wert.

Dialog

Bayer unterstützt Pittsburgh beim UN-Umwelttag

Neben Greg Babe, CEO Bayer Corporation, nahmen Elisabeth Guilbaud-Cox, Deputy Director, UNEP North America, Dan Onorato, Chief Executive, Allegheny County und Luke Ravenstahl, Mayor of Pittsburgh (v. l.) am UN-Weltumwelttag teil.Bild vergrößern
Neben Greg Babe, CEO Bayer Corporation, nahmen Elisabeth Guilbaud-Cox, Deputy Director, UNEP North America, Dan Onorato, Chief Executive, Allegheny County und Luke Ravenstahl, Mayor of Pittsburgh (v. l.) am UN-Weltumwelttag teil.
Auf Basis der langjährigen globalen Partnerschaft mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) unterstützte Bayer die Stadt Pittsburgh im Juni 2010 bei der erfolgreichen Ausrichtung des Welt-Umwelttages in Nordamerika. Der Konzern war an der Planung und Koordination der einzelnen Veranstaltungen beteiligt, zu dem Politiker, Umweltexperten, Top-Manager, Organisationen und Bürger aus der ganzen Welt angereist waren. „Pittsburgh hat beispielhaft gezeigt, was Städte auf der ganzen Welt tun können und wie wichtig es ist, die Umwelt und das unmittelbare Umfeld des persönlichen Lebens umweltgerecht zu gestalten“, sagte Amy Fraenkel, vom UN-Umweltprogramm. UNEP lobte auch die Unterstützung und Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch Bayer als Beweis dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen die Umweltagenda voranbringen könne.
Die Schwermetall-Emissionen sind gegenüber dem Vorjahr auf 11,4 Tonnen angestiegen. Der Anstieg ist vorwiegend auf den Produktionsanstieg an den BMS-Standorten Brunsbüttel und Leverkusen zurückzuführen. Darüber hinaus haben wir unser Monitoring und Reporting weiterentwickelt. Dadurch können nun auch Schwermetallfrachten aus der zentralen Kläranlage am Standort Krefeld-Uerdingen, ebenso wie Schwermetallfrachten aus dem nicht-klärpflichtigen Abwasser zusätzlich erfasst werden. Arbeiten an zinkhaltigen Bauteilen verursachten am Standort Brunsbüttel in den abgeleiteten Abwässern zusätzliche Zink-Emissionen.
Der Anstieg der Emissionen anorganischer Salze um 19,3 % ist in erster Linie auf die zunehmenden Produktionsaktivitäten besonders am BMS-Standort Caojing (China) zurückzuführen.
Ein konkretes Beispiel für unser Abwassermanagement ist die Modernisierung der Kläranlage in Leverkusen-Bürrig durch unsere Servicegesellschaft Currenta. Nach sechsjähriger Modernisierungsphase wurde Mitte November 2010 das 18 Mio. € teure Projekt termingerecht abgeschlossen. Das Gemeinschaftsklärwerk gehört nun zu den modernsten Industrie-Kläranlagen in Deutschland. Der Stickstoffabbau im Abwasser wird um mehr als 40 % verbessert und eine effizientere Abwasserreinigung ermöglicht.

Abfall und Recycling

Um Materialverbrauch und Abfallmengen möglichst gering zu halten, versucht Bayer dort, wo es technisch machbar und ökonomisch sinnvoll ist, neben der Reduzierung von Abfällen auch Materialien wiederzuverwenden oder anderen Prozessen zuzuführen.

Abfallerzeugung und -entsorgung

Die Gesamtmenge erzeugten Abfalls ging im Jahr 2010 um etwa 12 % zurück. Weniger Abriss- und abgeschlossene Sanierungsarbeiten führten 2010 zu einer stark reduzierten Menge gefährlichen Bauschutts, was sich in der Reduktion der Erzeugung gefährlichen Abfalls zeigt. Aufgrund gestiegener Produktionsaktivitäten hat demgegenüber die Menge gefährlichen Abfalls aus der Produktion, einer Teilmenge des erzeugten gefährlichen Abfalls, zugenommen.
25_Erzeugter* Abfall
20062007200820092010Ziel 2010Ziel 2015
Gesamtabfall-
erzeugung
(in 1.000 t/a)
6499281.077914807
– Erzeugung gefährlichen Abfalls**
(in 1.000 t/a)
336342365375354
– davon gefährlicher Abfall aus der Produktion
(in 1.000 t/a)
234275305302325
spezifische Menge gefährlicher Produktionsabfälle
(in %)
2,322,593,053,473,122,52,5

* Nur von Bayer erzeugte Abfälle
** Definition von gefährlichem Abfall entsprechend der jeweils lokalen Gesetzgebung

Die spezifische Menge gefährlicher Produktionsabfälle ging dennoch deutlich zurück. Allerdings konnten wir unser Konzernziel, einen spezifischen Wert von 2,5 % Abfall pro Tonne Verkaufsprodukt nicht erreichen. Seit 2007 wird dieser spezifische Wert nicht mehr erreicht. Damals wurde mit der Übernahme von Schering, heute Bayer HealthCare Pharmaceuticals, die Wirkstoffproduktion erheblich ausgeweitet. Dabei entstehen Abfälle, denen vergleichsweise geringe Produktionsmengen gegenüberstehen. Wir streben dieses Reduktionsziel auch in unseren Zielen 2015 an.
Die Gesamtmenge entsorgten Abfalls ging 2010 weiter zurück. Dies gilt ebenso für die deponierte Abfallmenge. Innerhalb der verschiedenen Entsorgungsarten und -wege gab es, dem Vorjahrestrend folgend, eine weitere Verlagerung hin zu Verbrennung und Verwertung von Abfällen.
26_Entsorgter Abfall nach Entsorgungsart
20062007200820092010
Gesamtmenge entsorgten Abfalls* (in 1.000 t/a)6549311.061918809
– davon zur Deponie (in %)4448454032
– davon zur Verbrennung (in %)3226242836
– davon zur Verwertung (in %)2223283131
Abfall, der nicht eindeutig einem der Entsorgungswege zuzuordnen ist (in %)33311

* Bayer dient an verschiedenen Standorten als zertifizierter Abfallentsorgungsbetrieb und entsorgt dort zusätzlich zu unseren Abfällen auch die Abfälle Dritter (Firmen, die nicht zum Bayer-Konzern gehören). Somit ergibt sich eine etwas größere Menge entsorgten Abfalls, als wir selbst erzeugt haben.

Der Anteil an deponierten gefährlichen und nicht-gefährlichen Abfällen sank 2010 auf 32 %.
27_Entsorgter gefährlicher Abfall* nach Entsorgungsart
20062007200820092010
Gesamtmenge erzeugten gefährlichen Abfalls
(in 1.000 t/a)
336342365375354
– davon zur Deponie (in 1.000 t/a)134101818956
– davon zur Verbrennung/Verwertung (in 1.000 t/a)202241284286298

* Nur von Bayer erzeugte Abfälle

Recycling bei Bayer

Wir setzen uns konzernweit für eine umfassende Wiederverwertung ein. Bei einem Großteil unserer Endprodukte ist dies aufgrund gesetzlicher Bestimmungen allerdings nicht möglich, insbesondere bei Arznei- und Pflanzenschutzmitteln. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens haben wir auch im Berichtsjahr nach neuen Möglichkeiten für die Wiederverwertung gesucht.
Bayer MaterialScience (BMS) arbeitet auch mit anderen Industrievertretern zusammen, um Recycling-Lösungen zu entwickeln und übernimmt eine Mittlerrolle zwischen Kunden und Recycling-Fachunternehmen. Die Rücknahme von Transportsäcken von Kunden in Thailand konnte verbessert werden: Die Säcke werden nach Gebrauch in einem speziellen Prozess von den darin transportierten Chemikalien gereinigt und einer erneuten Nutzung zugeführt. Seit 2007 konnten so 77.123 neue Transportsäcke eingespart werden. Der Bereich Globale Nebengeschäfte („Global Sideline Business“) bei BMS arbeitet daran, eine Reihe von nicht mehr benötigten, aber noch funktionsfähigen Anlagen und Werkzeugen zu verwerten, anstatt diese zu entsorgen. Insgesamt wurden von BMS global 66 Sachanlagen an Dritte veräußert, wie z. B. Polyurethan-Dosieranlagen. Darüber hinaus wurden 7.156 Tonnen Metallschrotte in den Kreislauf zurückgeführt. Ein Beispiel für Ökoeffizienz ist unsere neue Technologie zur Einfärbung von Kunstharz-Granulaten. Dieses Material dient bei BMS als Rohstoff zur Herstellung von Kunststoffprodukten. Der entstehende Granulat-Abfall lässt sich so um bis zu 25 % reduzieren.
Currenta hat ein neues Vorbehandlungsverfahren für Elektronikschrott zum Patent angemeldet. Mit der speziellen thermischen Vorbehandlung können Wertmetalle wie Gold, Silber und Kupfer aus alten Computerplatinen oder Handys bis zu 99 % zurückgewonnen werden.

Schutz der Biodiversität

2010 wurde von den Vereinten Nationen zum Jahr der Biodiversität (Artenvielfalt) ausgerufen. Bayer bekennt sich ausdrücklich zu den Zielen der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt („Convention on Biological Diversity, CBD“ [ 139 ]), die 1992 als internationales Regelwerk auf der UN-Weltkonferenz in Rio de Janeiro verabschiedet wurde.
Der Schutz der Biodiversität und der Erhalt von natürlichen Ökosystemen bildet für Bayer CropScience das Fundament für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Strategie von Bayer CropScience umfasst die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, Lösungen zur Stärkung der Pflanzengesundheit, Hilfeleistungen zur Bekämpfung invasiver Arten und Maßnahmen des integrierten Pflanzenanbaus. Eine eigene Position zur Biodiversität [ 140 ] regelt unsere Verpflichtung zur Erhaltung und Steigerung der Artenvielfalt. Die Biodiversitäts-Projekte von Bayer CropScience und weitere konkrete Beispiele für unser Engagement im Artenschutz [ @141 ] haben wir im Internet aufbereitet.
Als Mitglied des Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) [ 142 ] unterstützt Bayer HealthCare ebenfalls die Position des Verbandes zum UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt. Bei der Suche nach Wirkstoffen konzentriert sich Bayer HealthCare auf die chemische Synthese von Substanzen unter Anwendung moderner Technologien der medizinischen, kombinatorischen oder computergestützten Chemie. Alle Arbeiten, die den weltweiten Zugang zu Naturstoffquellen emöglichen könnten, werden im Vorfeld von Bayer eingehend im Hinblick auf die Rio-Konvention überprüft. Derzeit arbeitet Bayer HealthCare nicht spezifisch an der Erforschung von Arzneimitteln aus Naturstoffen. Das von uns vertriebene Medikament GlucobayTM wird zwar durch ein biotechnologisches Verfahren aus dem Bodenbakterium Actinoplanes gewonnen. Es gilt nicht als knappe natürliche Substanz, da es universell im Erdboden vorkommt.
Durch einen Abgleich unserer globalen Standortdatenbank („Site Register“) mit international relevanten Schutzgebieten („Asean Heritage“, „Barcelona Convention“, „UNESCO-MAB Biosphere Reserve“, „Wetlands of International Importance – Ramsar List“ und „World Heritage Convention“) konnten wir ermitteln, dass keiner unserer Produktionsstandorte an ein Schutzgebiet angrenzt. Darüber hinaus schließen wir durch ein internes Genehmigungsverfahren aus, dass neue Produktionsstandorte in Gebieten errichtet werden, die durch gesetzliche Vorgaben der jeweiligen Länder im Hinblick auf die natürliche Eigenart, Artenvielfalt oder ähnliche Ziele geschützt sind. In jedem Fall werden die vorgegebenen Mindestabstände zu geschützten Gebieten eingehalten. Um den Flächenverbrauch an unseren Produktionsstandorten zu begrenzen, setzen wir auf Flächenrecycling, etwa durch Rückbau nicht genutzter Gelände in den Chempark-Standorten.

Managementsysteme zur Umsetzung unserer HSEQ-Ziele

Ziel von Bayer ist es, innerhalb des Konzerns weltweit ein angemessenes und gleiches Niveau an HSEQ-(Health, Safety, Environment and Quality – Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz und Qualität) Leistung zu erreichen und kontinuierlich zu verbessern. Zur Erfüllung dieses Ziels hat Bayer in allen Teilkonzernen und Servicegesellschaften entsprechende HSEQ-Managementsysteme eingerichtet, die sich an anerkannten internationalen Standards orientieren und regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Über 90 % aller Bayer-Produktionsstandorte verfügten 2010 über ein internes, also durch Bayer auditiertes, HSE-Managementsystem.
Die operative Verantwortung für HSEQ liegt bei den Vorständen der jeweiligen Teilkonzerne und Servicegesellschaften und der entsprechenden Linienorganisationen. Durch die kontinuierliche Aktualisierung und Weiterentwicklung der HSEQ-Richtlinien sowie interne Audits stellt jeder Unternehmensbereich sicher, dass seine HSEQ-Managementsysteme spezifischen Anforderungen entsprechen. Ergänzend dazu führt der Bayer-Konzern regelmäßig interne sogenannte Observer-Audits bei den Teilkonzernen durch.

Internationale Standards und Zertifizierungen

Im Berichtsjahr haben wir die Prüfung des Abdeckungsgrads unserer geschäftlichen Aktivitäten mit HSE-Managementsystemen geändert und der branchenüblichen Darstellung angepasst. Wir werden den Abdeckungsgrad nicht mehr bezogen auf die reine Anzahl der extern zertifizierten Standorte darstellen, sondern den Umfang unserer Geschäftstätigkeit als Referenzgröße nutzen, der sich im Wesentlichen im Produktionsvolumen und dem Energieeinsatz widerspiegelt.
Demnach erfolgen mehr als 60 % unserer Geschäftstätigkeit (in Bezug auf Produktionsmenge bzw. Energieeinsatz) an Standorten, die extern nach international anerkannten Regelwerken, wie z. B. der Umweltmanagementnorm ISO 14001, der europäischen Umweltmanagementverordnung EMAS und der Arbeitssicherheitsnorm OHSAS 18001, zertifiziert bzw. validiert sind. Im Rahmen eines beschlossenen Zertifizierungskonzeptes planen wir unseren Abdeckungsgrad mit international zertifizierten HSE-Managementsystemen im Laufe der nächsten Jahre auf über 80 % zu steigern.
28_Zertifizierungen 
Zertifizierungen nach international anerkannten Regelwerken sowie Bayer-interne Auditierungen 2010Nach ISO 14001 zertifiziert/
EMAS validiert
HSE-
Management-
systeme nach anderem externen Standard *
Nach OHSAS 18001 zertifiziertBayer-auditierte
HSE-Management-
systeme
% unserer Geschäftstätigkeit (in Bezug auf Produktionsmenge bzw. Energieeinsatz) an zertifizierten bzw. validierten Bayer-Standorten6238992

* RCMS (Responsible Care Management System) in den USA oder in Mexiko Industria Limpia (Saubere Industrie)

Alle Teilkonzerne und Servicegesellschaften verfügen über branchenspezifische internationale Qualitätsmanagementsysteme, wie ISO 9001 oder GMP „Good Manufacturing Practice“. Hinzu kommen Systeme und Regeln der Teilkonzerne, die produktspezifische Anforderungen aufgreifen. Mehr zu Zertifizierungen [ 143 ] finden Sie im Internet.

Initiative zur Verfahrens- und Anlagensicherheit

2010 hat Bayer eine konzernweite Initiative zur Verfahrens- und Anlagensicherheit gestartet, um unser klares Bekenntnis und Engagement für Sicherheit noch stärker und fokussierter voranzutreiben. Ziel der Maßnahmen ist es, die Sicherheitskultur und -standards in den Betrieben und Labors weiterzuentwickeln und den Stand der Sicherheitstechnik voranzutreiben.
In der Konzern-Regelung „Verfahrens- und Anlagensicherheit“ wurden die wichtigsten Grundsätze und Organisationsstrukturen festgelegt. 2010 erfolgten dazu organisatorische Anpassungen und die Umsetzung erster Maßnahmen im Bereich Qualifizierung, u. a. durch spezielle Schulungen.
Bis zum Jahr 2012 sollen weltweit ca. 40.000 Mitarbeiter gezielt in Verfahrens- und Anlagensicherheit geschult werden. Im Oktober 2010 fand das erste „Process and Plant Safety Symposium“ statt, an dem 100 Bayer-Experten aus 14 Ländern teilnahmen, um die teilkonzern- und länderübergreifende Zusammenarbeit für Verfahrens- und Anlagensicherheit zu fördern.

Umweltereignisse und Transportunfälle

Umweltereignisse und Transportunfälle lassen sich trotz unserer umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und Schulungen leider nicht völlig verhindern. Gemäß unserer internen Selbstverpflichtung berichten wir bei austretenden Stoffen mit einem hohen Gefährdungspotenzial bereits ab einer Masse von 100 Kilogramm. Die in den Vorjahren unterschiedliche Einstufung in „Level 1“- und „Level 2“-Ereignisse haben wir aus Gründen der Übersichtlichkeit zu einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst. Die untere Auslösegrenze für die Berichtspflicht wurde beibehalten.
Unter Umweltereignissen verstehen wir Ereignisse in Anlagen von Bayer, bei denen es zum Austritt von Stoffen in die Umwelt kommt. Faktoren für die Berichtspflicht sind insbesondere die Menge und Art des Stoffs, die entstandene Schadenshöhe und etwaige Folgen für Anwohner. Als Transportunfälle erfassen wir Zwischenfälle bei eigenen und von uns beauftragten und bezahlten Chemikalien-Transporten nach festgelegten Kriterien. Dazu zählen austretende Ladung, gestaffelt nach Menge und Gefahrgutklasse, Personenschäden oder blockierte Transportwege.

News

Neues Bayer Safety Council stärkt die Sicherheit

Das vom Bayer-Vorstand ins Leben gerufene „Bayer Safety Council“ hat zum ersten Mal getagt. „Wir wollen mit dem neuen Gremium den hohen Sicherheitsstandard in unserem Unternehmen noch weiter stärken“, betonte Bayer-Chef Dr. Marijn Dekkers, der an der ersten Sitzung als Gast teilnahm. Das Council setzt sich zusammen aus den Vertretern der Teilkonzerne und Servicegesellschaften des „Community Board Technology, Innovation and Environment“ unter dem Vorsitz von Dr. Wolfgang Plischke, im Bayer-Vorstand zuständig für Innovation, Technologie und Umwelt. Wichtige Themen des „Safety Council“ decken die Bereiche Arbeitssicherheit (Occupational Safety), Verfahrens- und Anlagensicherheit (Process- and Plant Safety) sowie die Transportsicherheit (Transport Safety) ab. „Sicherheit steht bei Bayer an erster Stelle“, sagte Plischke. Er stellte heraus, dass sich der Konzern im Bereich der Arbeitssicherheit in den vergangenen fünf Jahren bereits wesentlich verbessern konnte und die selbst gesetzten Ziele sogar übertraf. Für die kommenden Jahre bis 2015 habe sich Bayer konzernweit noch ambitioniertere Ziele gesetzt. Und auch der gute Status bei der Transportsicherheit solle mit einem neuen Projekt noch weiter gesteigert werden.
Die eingeleiteten Initiativen und Programme wurden bestätigt und werden mit Nachdruck weiter geführt. Die Schwerpunke in 2011 liegen auf der Verfahrens- und Anlagensicherheit und dem „Bayer Global Safety Day“, der in diesem Jahr am 13. September zum ersten Mal konzernweit stattfindet.
Wir haben im Jahr 2010 sieben nach Konzernvorgaben berichtspflichtige Umweltereignisse und acht Transportunfälle verzeichnet. Ein Ereignis wurde nach unseren Kriterien sowohl den berichtspflichtigen Umweltereignissen als auch den Transportunfällen zugeordnet. Alle Ereignisse und Unfälle wurden analysiert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet.
29_Umweltereignisse  (Anzahl/a)
20062007200820092010
839137
30_Transportunfälle nach Transportmitteln (Anzahl/a)
20062007200820092010
Straße69886
Schiene31121
Binnenschiff00001
Seeschiff00100
Flugzeug00000
Pipeline00000
Gesamt91010108
Auch Ereignisse, die von Stakeholdern wahrgenommen und gemeldet wurden [ @145 ], haben wir im Internet aufgeführt und kommentiert. Die Tabelle 30 zeigt die Entwicklung der Transportunfallzahlen aufgeteilt nach Transportmitteln. Insgesamt wurden im Jahr 2010 etwa eine Million Transportbewegungen vorgenommen.

Sicherheit geht vor. Das gilt auch für den Transport von Waren, insbesondere für die Beförderung von Gefahrgut. Hierzu gehören Sicherheitsaspekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Auswahl der Transportssysteme und Logistikdienstleister bis zur Beladung, dem eigentlichen Transport [ @144 ] und der Entladung. Details sind in einer Richtlinie zur Transportsicherheit festgelegt. Konkrete Beispiele, wie Teilkonzerne mit ihren Initiativen spezifische Transport-Sicherheitsaspekte zielgerichtet angehen, sind im Internet zusammengestellt.
Umweltereignisse und Transportunfälle 2010
Personen-
schaden
Umweltereignisse 2010
Currenta, Leverkusen (Deutschland), 07.01.2010:
Auf dem Lagerplatz brannte auf einer Fläche von ca. 300 m² eine größere Menge von Gebinden. Sehr starke Rauchentwicklung.
nein
Bayer MaterialScience, Dormagen (Deutschland), 30.08.2010:
Kurzzeitige Freisetzung von phosgenhaltigen Dämpfen löste aus Sicherheitsgründen eine Ammoniak-Dampf-Wand aus. Ca. 700 kg Ammoniak wurden freigesetzt.
nein
Bayer CropScience, Institute (USA), 12.10.2010:
Entweichende Salzsäuredämpfe während Reinigungsarbeiten an einem Tank. Ca. 1,3 Tonnen des Gases gelangten dabei in die Atmosphäre.
nein
Bayer CropScience, Institute (USA), 20.10.2010:
Reinigungsabwasser (5,5 Tonnen einer 20%-Natronlauge-Prozessabwasser-Lösung) mit hohem pH-Wert aus der Pflanzenschutzmittelherstellung wurde bei Tankreinigungsarbeiten versehentlich in das Kühlwassersystem geleitet und von dort in den Kanawha-Fluss.
nein
Bayer MaterialScience, Baytown (USA), 08.11.2010:
TDA-Leckage an einem Ablassstutzen eines Güterwaggons.
Es trat eine größere Menge Toluylendiamin aus, die fachgerecht entsorgt wurde. 5 kg des Stoffes gelangten ins Erdreich.
nein
Bayer HealthCare, La Trinidad (Venezuela), 22.11.2010:
In einem Kellerbereich entzündeten sich dort gelagerte Materialien durch einen elektrischen Kurzschluss. Brand mit Rauchentwicklung.
nein
Umweltereignisse, die gleichzeitig Transportunfälle sind 2010
Bayer CropScience, Kansas City (USA), 07.06.2010:
Verkehrsunfall bei Gefahrguttransport eines durch Bayer beauftragten Spediteurs. Die Fracht (2.000 kg Flubendiamid) wurde durch den folgenden Brand zerstört.
nein
Transportunfälle 2010
Bayer MaterialScience, Pickering (Kanada), 30.03.2010:
Entgleisung eines Bahnkesselwagens beladen mit BMS-Produkt (MDI). Es kam weder zu Personen- noch zu Umweltschäden.
nein
Bayer MaterialScience, Brunsbüttel (Deutschland), 23.06.2010:
Verkehrsunfall mit Gefahrguttransporter eines durch Bayer beauftragten Spediteurs. Keine Beschädigung bzw. Produktaustritt.
nein
Bayer CropScience, Rom (Italien), 20.07.2010:
Ein PKW verursachte einen Verkehrsunfall mit einem von Bayer beauftragten LKW, mit tödlichen Folgen für den PKW-Fahrer. Kein Produktaustritt.
ja
Bayer MaterialScience, Leverkusen (Deutschland), 20.08.2010:
Der Fahrer eines Gefahrguttransporters erlitt einen Herzinfarkt und überlebte. Kollision forderte einen Verletzten, eine geringe Menge Harzlösung trat aus.
ja
Bayer MaterialScience, Kaohsiung (Taiwan), 27.08.2010:
Leckage beim Transport eines Containers mit Austritt von 420 kg eines Polyalkohols.
nein
Bayer MaterialScience, Brunsbüttel (Deutschland), 29.09.2010:
Über einen längeren Zeitraum sukzessiver Austritt von insgesamt ca. 600 kg Schwefelsäure an einer Schiffsbelade-/entladestation. Ursache: Leckage an der Rohrleitung.
nein
Bayer MaterialScience, Durban (Südafrika), 17.11.2010:
PKW kollidiert mit einem Gefahrguttransporter. Kein Produktaustritt.
nein
http://www.nachhaltigkeit2010.bayer.de/de/oekologie.aspx

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