Apothekerin Lulu Amakelech (r.) erklärt Tizita Getachew (l.) die Anwendung eines Kontrazeptivums. Bayer hat 2010 zusammen mit der US-Behörde für internationale Entwicklung USAID ein orales Kontrazeptivum zu einem reduzierten Preis in Äthiopien eingeführt.
geprüft 2010
Gesundheit

Im Einsatz für die Gesundheit

Fast sieben Milliarden Menschen leben auf der Erde – darunter rund zwei Milliarden ohne angemessene gesundheitliche Grundversorgung. Gemeinsam mit internationalen Partnern setzt sich Bayer für eine Verbesserung dieser Situation ein. Durch unser strategisches Engagement werden die Leistungen unseres HealthCare-Kerngeschäfts – also unsere hochwertigen Medikamente und Therapien – in zahlreichen Programmen für die Gesundheit weltweit wirksam.
Die stetig wachsende Weltbevölkerung und der demografische Wandel vergrößern die Herausforderung, rund um den Globus eine angemessene gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern leben immer mehr Menschen, denen es an notwendigen Arzneimitteln und medizinischer Behandlung fehlt. Mit Allianzen für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung engagiert sich Bayer dort, wo Bedarf besteht und die eigenen Kompetenzen am höchsten sind. „Wir fördern weltweit den Zugang von Medikamenten und verbessern das Wissen über Gesundheit“, erläutert Dr. Ulrich-Dietmar Madeja, Leiter „Social Healthcare Programs“ bei Bayer HealthCare.

Ziele Nachhaltigkeitsprogramm

Leuchtturm-Projekt „Familienplanung“:

  • Gemeinsam mit USAID bis 2012 Einführung von Originalprodukten zur Empfängnisverhütung zu marktkonformen Preisen in elf afrikanischen Ländern
  • Gemeinsam mit unseren Partnern (z. B. USAID, UNFPA, IPPF) Verdopplung der derzeitigen Aktivitäten in der Familienplanung
  • Steigerung der Lieferung von oralen Kontrazeptiva auf 110 Millionen Zyklen pro Jahr gemeinsam mit Partnern (z. B. USAID)

Leuchtturm-Projekt „Vernachlässigte Krankheiten“:

  • Unterstützung der WHO im Kampf gegen Chagas und bei der Behandlung der Afrikanischen Schlafkrankheit
  • Forschung zur Verkürzung der Tuberkulose-Behandlung gemeinsam mit der „Global Alliance for TB Drug Development“

Engagement zur Gesundheitsversorgung

Damit möglichst viele Menschen von den Leistungen des Konzerns profitieren, hat Bayer HealthCare seine „Access to medicine“-(ATM-)Strategie in den vergangenen Jahren sukzessive weiterentwickelt. Ziel ist es, die Beiträge des Unternehmens noch wirksamer zu gestalten, gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und Geschäftschancen in einem dynamischen Umfeld zu wahren. Diese Aspekte stehen gleichberechtigt nebeneinander und sind Teil der Bayer-Nachhaltigkeitsstrategie. Ihre Umsetzung erfolgt durch das Bayer-Nachhaltigkeitsprogramm [ 21 ] mit seinen Leuchtturm-Projekten.
Um eine nachhaltige Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, müssen verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenwirken. Viele Projekte werden durch Zusammenarbeit in Kooperationen überhaupt erst möglich.
Unsere Leuchtturm-Projekte „Familienplanung“ und „Vernachlässigte Krankheiten“, die wir in Zusammenarbeit mit staatlichen und Nichtregierungsorganisationen umsetzen, verdeutlichen unser Engagement.

Familienplanung zur Armutsbekämpfung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO [ 22 ] schätzt, dass von weltweit rund 210 Millionen Schwangerschaften pro Jahr etwa 38 % ungeplant sind und 20 % abgebrochen werden. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern mit hoher Mütter- und Kindersterblichkeit haben Frauen keine Möglichkeit, sich vor ungewollten Schwangerschaften zu schützen. Es fehlt an Verhütungsmitteln und Familienplanung gehört häufig noch zu den Tabu-Themen. Bayer als Weltmarktführer für Kontrazeptiva hat seit Jahrzehnten Erfahrung auf dem Gebiet der Empfängnisverhütung. Mit dem Leuchtturm-Projekt „Familienplanung“ unterstützen wir das Millenniumziel der Vereinten Nationen, die Kinder- und Müttersterblichkeit bis 2015 zu senken.
In gemeinsamen Projekten mit „USAID (United States Agency for International Development)“ [ 19 ] und Nichtregierungsorganisationen wie beispielsweise der „UNFPA (United Nations Population Fund)“ [ 20 ] wurden von Bayer HealthCare 2010 rund 118 Millionen Einheiten unterschiedlicher Kontrazeptiva bereitgestellt: Beispiele sind Ein- und Dreimonatsspritzen, Implantate und Hormonspiralen (Intrauterinsysteme) und die Pille mit allein 110 Millionen Monatspackungen. 80 % der Kontrazeptiva gingen mithilfe der Organisationen in die Sub-Sahara-Staaten. Damit wurden 2010 weltweit rund 16 Millionen Frauen erreicht.
„Neben der logistischen Verfügbarkeit stellt der Preis von Verhütungsmitteln einen essenziellen Faktor für den Zugang der Patienten dar“, sagt Klaus Brill, Leiter der Abteilung „Commercial Relations“ bei Bayer HealthCare. Das Unternehmen konnte im Jahr 2010 gemeinsam mit USAID in Äthiopien das orale Kontrazeptivum Microgynon™ FE zu einem reduzierten Preis einführen, sodass sich auch Frauen mit geringerem Einkommen dieses Präparat leisten können. Bis Ende Februar 2011 wurden bereits über 26.000 Packungen Microgynon™FE von Frauen in Äthiopien erworben. Uganda, Tansania sowie acht weitere Staaten in Afrika werden bis 2013 folgen. USAID übernimmt in den nächsten fünf Jahren die Kommunikationsmaßnahmen wie Information und Werbung. Bayer stellt Microgynon™FE und die Vertriebswege zur Verfügung.

Meinung

„Familienplanung ist in vielen Ländern tabu.“

Thomas Staal, Vorsitzender von USAID in ÄthiopienBild vergrößern
Thomas Staal, Vorsitzender von USAID in Äthiopien
„Familienplanung in Äthiopien bleibt auch weiterhin ein sehr wichtiges Thema. Frauen, die keinen leichten Zugang zu Familienplanung haben, sind einer Vielzahl von Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Mit der Bereitstellung von Microgynon Fe durch unsere Partnerschaft mit Bayer wird somit einem besonderen Erfordernis Rechnung getragen. Viele Frauen wollen sich nicht auf Dritte verlassen, um einen sicheren Zugang zu moderner Familienplanung zu gewährleisten, sind jedoch nicht dazu in der Lage, die in der westlichen Welt üblichen Preise zu bezahlen. Der differenzierte Preisstellungsansatz, den wir derzeit mit Bayer weiterverfolgen, ist deshalb vielversprechend.“

Partnerschaften für sexuelle Aufklärung

Eine autonome Familienplanung setzt auch Wissen voraus. Sexualaufklärung bildet einen weiteren Schwerpunkt in diesem Leuchtturm-Projekt. Zusammen mit der Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) [ 23 ] setzt sich Bayer in Entwicklungsländern für Aufklärungsmaßnahmen zur Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit junger Menschen ein. So hat das gemeinsam in Uganda umgesetzte Präventionskonzept zum Ziel, bereits Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren aufzuklären, damit diese bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen verantwortungsbewusst handeln und gesundheitliche Gefahren vermeiden.
Die Schlüsselkomponente des Projekts „Improving the Sexual and Reproductive Health of Young Adolescents in Uganda“ ist eine umfassende und altersgerechte Aufklärungsarbeit in Schulen und Gemeinden und setzt auf individuelle und integrierte Aufklärungsarbeit von und für Jugendliche („peer education“). Die Erstellung eines Methodenhandbuchs gewährleistet die Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit des Konzepts auf andere Regionen und Länder.

Patientenzugangsprogramme unterstützen

Für einige Krankheiten, die auch in Schwellenländern auftreten, sind innovative Therapien und Medikamente erfolgreich auf dem Markt. Sie stehen aber nicht allen Patienten zur Verfügung. Bayer HealthCare ermöglicht mit weltweiten Programmen Patienten den Zugang zu innovativen Bayer-Produkten, die nicht für alle bezahlbar sind. Dabei reicht der Kreis der Empfängerländer über Entwicklungs- und Schwellenländer hinaus.
In den USA unterstützt Bayer HealthCare unterschiedliche Patientenzugangsprogramme. Allein durch die Programme für das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon™, das Medikament Kogenate™ zur Behandlung der Bluterkrankheit und das Krebsmedikament Nexavar™ konnte bis Ende 2010 mehr als 63.000 Patienten Zugang zu einer Behandlung ermöglicht werden.
Die Zahl der Patientenzugangsprogramme für Nexavar™ wurde 2010 auf insgesamt zwölf Länder ausgedehnt. Dazu zählen im asiatischen Raum neben China u. a. Indien, Pakistan, Thailand und Vietnam, aber z. B. auch Südafrika und Brasilien. Insgesamt steht China im besonderen Fokus unseres Engagements. Bayer ist in China daher mit drei weiteren Hilfsprogrammen vertreten. Sie verschaffen bedürftigen Patienten Zugang zu Kogenate™ und Ventavis™, das bei Therapien gegen Lungengefäßkrankheiten eingesetzt wird, und ab 2011 auch zu Betaferon™.
Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen in China auch für die Fortbildung von Ärzten. Mit dem Programm „Go West“ [ @24 ] soll die Versorgung der Landbevölkerung verbessert werden. Bayer stellte ab 2010 dafür über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 2,3 MIO € zur Verfügung.

Kampf gegen Tropenkrankheiten

Nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung – vor allem die Ärmsten der Armen – ist nach Angaben der WHO durch Tropenkrankheiten gefährdet. „Entsprechend unterstützt Bayer HealthCare seit Jahren die Arbeit der WHO in der Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten“, sagt Michael Schöttler, Leiter „Global Health Policy & Public Affairs“ bei Bayer HealthCare.
Gegen die lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten Chagas in Lateinamerika und die Afrikanische Schlafkrankheit stellt Bayer HealthCare in einem zweiten Leuchtturm-Projekt die Medikamente Lampit™ und Germanin™ über die WHO zur Verfügung. Die Wirkstoffe beider Medikamente wurden von der WHO auf die „Essential Drug List“, die Liste lebensnotwendiger Medikamente, gesetzt.
Im Kampf gegen die Afrikanische Schlafkrankheit steht für das frühe Stadium der Krankheit das Bayer-Mittel Germanin™ (Wirkstoff: Suramin) bereit. Außerdem liefert Bayer an die WHO jährlich 400.000 Lampit™-Tabletten mit dem Wirkstoff Nifurtimox, der in Kombination mit einem weiteren Wirkstoff eine Therapieform ermöglicht, die auch im späteren Stadium Chancen bei der Behandlung der Krankheit eröffnet.
Zur Bekämpfung der Chagas-Krankheit wurde im März 2011 der bestehende Vertrag mit der WHO vorzeitig bis 2017 verlängert. Die jährliche Medikamentenspende wird auf eine Million Lampit™-Tabletten verdoppelt, die finanzielle Unterstützung für Logistik und Distribution von 300.000 Dollar pro Jahr wird fortgesetzt. Anlässlich der Unterzeichnung des neuen Vertrags betonte Dr. Jean Jannin, Koordinator der WHO-Abteilung für innovative und intensivierte Behandlungsprogramme zur Kontrolle von vernachlässigten Tropenkrankheiten: „Bei der Bekämpfung der tropischen und vernachlässigten Krankheiten stoßen öffentliche und staatliche Initiativen oft schnell an ihre Grenzen. Wir schätzen es daher, wenn Pharma-Unternehmen ihren Beitrag leisten. Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor bieten einen vielversprechenden Ansatz. Die Kombination verschiedener Kompetenzen führt oft zu unerwartet innovativen Ergebnissen und nachhaltigen Erfolgen.“
Mit dem Projekt „Bayer Fights Chagas“ [ @25 ] gehen Bayer-Mitarbeiter neue Wege im Kampf gegen die Tropenkrankheit.
Jährlich treten nach WHO-Angaben neun Millionen neue Fälle an Tuberkulose (TB) auf. Als Partner der „Global Alliance for TB Drug Development“ beteiligt sich Bayer HealthCare an der Entwicklung einer von sechs auf vier Monate verkürzten Therapie unter Einbezug des Bayer-Wirkstoffs Moxifloxacin. Insbesondere in Entwicklungsländern mit hoher Krankheitslast soll das Medikament nach erfolgter Zulassung zu reduzierten Preisen zur Verfügung gestellt werden.
Über die Aktivitäten von Bayer HealthCare hinaus ist der Konzern im Kampf gegen Infektionskrankheiten engagiert. Das verdeutlicht eine Reihe von Projekten zu den Erkrankungen Malaria und Dengue-Fieber. Das Ergebnis eines der Projekte, das Produkt LifeNet™ [ 28 ] [ @29 ], befasst sich mit neuartigen Moskitonetzen, in die bereits ein Wirkstoff gegen Insekten eingearbeitet ist. Die Zusammenarbeit von Bayer CropScience und Bayer Technology Services hat hier die Entwicklung eines neuartigen, lang wirksamen Polypropylen-Netzes ermöglicht. Lesen Sie mehr darüber und zu unseren Forschungs-Kooperationen im Bereich „Vernachlässigte Krankheiten“, u. a. mit dem Liverpooler „Innovative Vector Control Consortium (IVCC)“ [ @26 ] und dem Unternehmen SentiSearch [ @27 ].
Zum künftigen Vorgehen erläutert Andreas Fibig, Leiter Division Bayer HealthCare „Pharmaceuticals“: „Unsere Access-To-Medicine-Strategie gibt uns die Möglichkeit, unser geschäftliches Interesse mit unserer gesellschaftlichen Verantwortung zu verknüpfen. Davon profitieren vor allem jene Patienten, die unsere Produkte am dringendsten benötigen. Wir werden deshalb unser Engagement weiter strategisch ausbauen, um die Reichweite unserer Programme zu erhöhen und damit mehr Patienten zu erreichen.“
Weltweites Engagement von Bayer für die Gesundheit
Unser Ziel ist es, allen Menschen den globalen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Unsere Projekte zu Familienplanung, vernachlässigten Tropenkrankheiten und Zugangsprogrammen zu innovativen Medikamenten erstrecken sich mittlerweile über den ganzen Globus.

Dialog

Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht

Im Gespräch (v. li.) Gill Greer, IPPF, Melinda Crane, Moderatorin, Helena Nygren-Krug, (WHO), und Yasho V. Pradhan, Ministry of Health and Population, Nepal Bild vergrößern
Im Gespräch (v. li.) Gill Greer, IPPF, Melinda Crane, Moderatorin, Helena Nygren-Krug, (WHO), und Yasho V. Pradhan, Ministry of Health and Population, Nepal
Das Thema Entwicklungshilfe im Fokus: Huzeifa Bodal von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stellt fest, dass die Bemühungen um sexuelle Selbstbestimmung von Frauen in Entwicklungsländern „sexier“ dargestellt werden müssen, damit die Öffentlichkeit dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenkt. Diese Forderung war eine von vielen Anregungen der Arbeitsgruppen beim „Internationalen Dialog Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung“ Anfang Oktober in Berlin. Hier erarbeiteten Experten aus 17 Ländern Ideen, wie das Recht auf reproduktive Gesundheit – also das Recht auf Sexualität und Zugang zu Familienplanungsmethoden – für alle Menschen verwirklicht werden kann.
http://www.nachhaltigkeit2010.bayer.de/de/im-einsatz-fuer-die-gesundheit.aspx

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