geprüft 2010
Leistungsbericht

Unternehmensführung

Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Gebieten Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Durch Innovation, Wachstum und hohe Ertragskraft wollen wir nachhaltig Werte schaffen. Dies ist eng verknüpft mit verantwortungsbewusster Unternehmensführung.
Die Zukunft sichern durch Investitionen in Schwellenländern: Mit zweistelligen Wachstumsraten hat sich Greater China zu einem der bedeutendsten Märkte für Bayer entwickelt. Seit Anfang 2011 gehört ein neues großes Bayer-Kreuz zum Stadtbild von Shanghai.
Unsere Unternehmenskultur findet ihren Ausdruck in unserer Mission „Bayer: Science For A Better Life“ und unserem Werteverständnis. Wir haben 2010 unsere Werte in dem Begriff LIFE [ @50 ] zusammengefasst: Leadership (Führung), Integrität, Flexibilität und Effizienz. Sie leiten uns in unserem unternehmerischen Handeln.
Eines der vier Elemente von LIFE ist Integrität. Darunter verstehen wir, ausnahmslos Gesetze, Richtlinien und Regeln einzuhalten und für alle unsere Interessengruppen ein ehrlicher und zuverlässiger Partner zu sein. Klare Strukturen der „Corporate Governance“ sowie transparente Grundsätze einer weltweit gültigen „Compliance“ bilden das Fundament, über das wir auch unseren Unternehmenserfolg langfristig sichern. Ein weitreichendes Risikomanagement hilft uns, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. Auch mit seinem Engagement in den Regionen trägt Bayer zu einer positiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung bei.
Konkret umgesetzt wird unsere werteorientierte Unternehmensführung durch Konzernregelungen und -positionen, z. B. zu nachhaltiger Entwicklung, zur Integration von Nachhaltigkeit in unserem Lieferantenmanagement, oder durch unsere weltweite Position zu Menschenrechten und Arbeitsbedingungen. Verantwortungsvolle Unternehmensführung ist die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg.

Ziele 2015

Lieferantenmanagement

  • Information aller Lieferanten mit bestellbezogenem Ausgabevolumen über den Bayer-Lieferantenkodex
  • Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung von Lieferanten, die = 75 % des gesamten Einkaufsvolumens darstellen, und = 75 % des Einkaufsvolumens aus Risikobereichen
  • Jährliche Auditierung der Nachhaltigkeitsleistung von mindestens 10 % der Lieferanten aus Risikobereichen oder mindestens 15 Lieferanten

Compliance

  • Ausweitung des Compliance-Trainings auf 100 % aller Bayer-Manager

2010: Konzernziele erreicht

Im Geschäftsjahr 2010 konnten wir den Umsatz um 12,6 % beziehungsweise währungs- und portfoliobereinigt um 8,0 % auf den Rekordwert von 35,1 MRD € steigern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sowie Sondereinflüssen verbesserten wir um 9,7 % auf 7,1 MRD €. Das operative Ergebnis (EBIT) des Bayer-Konzerns sank trotz der positiven Geschäftsentwicklung bei MaterialScience um 9,2 % auf 2.730 MIO €. Ergebnisbelastend wirkten sich Sonderaufwendungen in Höhe von 1.722 MIO € aus. Diese wurden im Geschäftsjahr 2010 in Höhe von 957 MIO € für außerplanmäßige Abwertungen, 703 MIO € für Rechtsfälle und 62 MIO € für Restrukturierungen berücksichtigt, siehe auch Kennzahlen.

Die Bayer-Aktie als nachhaltige Anlage

Investoren achten zunehmend darauf, in welcher Weise Unternehmen gesellschaftliche und ökologische Aspekte in ihre Strategien und Aktivitäten integrieren. Das gilt insbesondere für langfristig orientierte institutionelle Anleger wie beispielsweise Pensionsfonds. Institutionelle Anleger bilden laut Datenerhebung des „European Sustainable Investment Forum“ (Eurosif), des „Social Investment Forum“ (USA) und der „Responsible Investment Association Australasia“ in dem in 2009 auf 7,6 BIO € angewachsenen weltweiten Markt für nachhaltige Geldanlagen eine wichtige Kraft.
Die Bayer-Aktie ist in zahlreichen Nachhaltigkeitsindizes und -fonds gelistet. Im „DOW Jones Sustainability Index (DJSI) World“ sind wir seit dessen Gründung im Jahr 1999 ununterbrochen vertreten und wurden 2010 nach zweijähriger Pause wieder in den „DJSI Europe Index“ aufgenommen. Auch im Nachhaltigkeitsindex „FTSE4Good“ ist die Bayer AG seit dessen Start im Jahr 2001 gelistet. Von Storebrand, einem norwegischen Finanzdienstleister mit Fokus auf nachhaltiges Investment, wird Bayer als sogenanntes „Best-in-Class-Unternehmen“ im Sektor Pharma geführt. Als bestes Unternehmen der Healthcare-Branche wurde Bayer vom „Carbon Disclosure Project (CDP) [ 51 ] [ 52 ]“ erneut in den „Carbon Disclosure Leadership Index (CDLI)“ aufgenommen. Im neu geschaffenen „Carbon Performance Leadership Index (CPLI)“ ist Bayer mit der höchsten Bewertung „A“ gelistet und bestätigt so seine Top-Position beim Klimaschutz.
Einen Überblick über die Nachhaltigkeitsindizes und -fonds [ 53 ], in denen Bayer vertreten ist, finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.
1_Unsere Performance in relevanten Nachhaltigkeitsindizes und -fonds
Listung von Bayer
Index/Fonds200820092010

DJSI World
DJSI Europe

Sowohl FTSE4Good Global Index
als auch FTSE4Good Europe Index
FTSE4Good Environmental Leaders Europe 40 Index

ASPI Eurozone


Storebrand SRI Funds

Carbon Disclosure Leadership Index*
Carbon Performance Leadership Index*
(2010 veröffentlicht)

NYSE Euronext Low Carbon 100 Europe Index

Access To Medicine Index*
**

* Der Carbon Disclosure Leadership Index, der Carbon Performance Leadership Index und der Access to Medicine Index sind keine handelbaren Indizes.
** Keine Neubewertung in 2009 durchgeführt

Corporate Governance

Verantwortungsvolle Unternehmensführung („Corporate Governance [ 54 ]“) hat bei Bayer seit jeher einen hohen Stellenwert. Das Unternehmen hat im Jahr 2010 mit einer vorübergehenden Ausnahme die Erklärung abgeben können, den Empfehlungen des „Deutschen Corporate Governance Kodex [ 55 ]“ zu folgen. Der Aktionärsdienstleister IVOX hat Bayer im Dezember 2010 die beste „Corporate Governance“ aller DAX-Unternehmen bescheinigt. Näheres lesen Sie im „Corporate-Governance-Bericht“ unseres Geschäftsberichts 2010, der auch ausführlich die Arbeitsweise sowie die Kontrollmechanismen des Vorstands darlegt.

Konzernführung wird nach Corporate-Governance-Prinzipien vergütet

Der Aufsichtsrat hat die Aufgabe, den Vorstand zu überwachen und ihn zu beraten. Er besteht aus 20 Mitgliedern, die gemäß dem Mitbestimmungsgesetz jeweils zur Hälfte aus Kreisen der Aktionäre und der Arbeitnehmer stammen.
Die Vorstandsvergütung war bei Bayer schon in der Vergangenheit auf Nachhaltigkeit angelegt, befolgte die Empfehlungen des „Deutschen Corporate Governance Kodex“ und das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (Vorstag). Damit der Konzern auch weiterhin diesen Kriterien genügt, beschloss der Aufsichtsrat im Dezember 2009 eine Reihe von Anpassungen. Diese haben wir im Jahr 2010 in die Praxis umgesetzt.
Transparente Vergütungssysteme sind ein wichtiger Bestandteil der „Corporate Governance“. Die Gesamtvergütung des Vorstands setzte sich im Jahr 2010 im Wesentlichen aus fünf Komponenten zusammen: einem jährlichen Festeinkommen, einer kurzfristigen variablen Vergütung, die sich als Zielvergütung auf ein Geschäftsjahr bezieht, einer langfristigen variablen Vergütung, die sich als Zielvergütung auf vier Geschäftsjahre bezieht, einer weiteren, seit 2010 gewährten langfristigen variablen Vergütung, die aus virtuellen Bayer-Aktien mit einer Sperrfrist von drei Jahren besteht, sowie einer betrieblichen Altersversorgung mit nach Dienstjahren wachsenden Pensionsanwartschaften. Hinzu kommen Sachbezüge und sonstige Leistungen wie z. B. Firmenfahrzeug mit Privatnutzung oder Kostenerstattung einer Gesundheitsvorsorgeuntersuchung.
Die Vergütung des Aufsichtsrats richtet sich nach den entsprechenden Satzungsbestimmungen, die seit dem Beschluss der Hauptversammlung vom 29. April 2005 nicht mehr geändert wurden. Mehr dazu finden Sie im Vergütungsbericht unseres Geschäftsberichts.

Compliance bei Bayer

Bayer erwartet, dass das Handeln eines jeden Mitarbeiters stets durch Integrität bestimmt ist. Verstöße gegen die Einhaltung der einschlägigen Gesetze, relevanter Kodizes sowie der internen Regelungen werden nicht geduldet.
Der Konzernvorstand hat in der „Corporate Compliance Policy [ 56 ]“ das uneingeschränkte Bekenntnis zu „Corporate Compliance“ zum Ausdruck gebracht, ebenso den Verzicht auf jegliches diesen Grundsätzen entgegenstehende Geschäft.
Die Policy enthält Verpflichtungen zur Einhaltung des maßgeblichen Wettbewerbsrechts, gegen jede Form der Korruption, zum Prinzip der Nachhaltigkeit und Produktverantwortung, zur Einhaltung des Außenhandels- und Insiderrechts, zur ordnungsgemäßen Aktenführung und transparenten Finanzberichterstattung sowie zu fairen und respektvollen Arbeitsbedingungen und gegen jede Form der Diskriminierung. Weitere Anforderungen sind der Schutz unseres Wissensvorsprungs und der Respekt vor rechtsbeständigen Schutzrechten Dritter, die Trennung von Unternehmens- und Privatinteressen sowie der korrekte Umgang mit Behörden. Die vorgenannten Prinzipien schließen verantwortungsvolles Marketing mit ein. Informationen zu unseren Leitlinien im Medizinmarketing sind im Kapitel „Innovationen und Produkte“ erläutert.
Jede operativ tätige Konzerngesellschaft hat einen „Compliance Officer“. Dieser berichtet an den „Chief Compliance Officer“ der zuständigen Konzernführungsgesellschaft. Letztere berichtet an den vom Konzernvorstand der Bayer AG ernannten „Group Compliance Officer“. Dieser stellt gemeinsam mit dem Leiter der Konzernrevision mindestens einmal jährlich dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats eine Übersicht über festgestellte „Compliance“-Verstöße zur Verfügung. Im Berichtsjahr wurde eine globale Datenbank eingeführt, in die alle „Compliance“-Vorfälle eingegeben werden. Im Jahr 2010 haben wir in drei „Compliance Officer Workshops“ insgesamt 67 teilnehmende „Compliance Officer“ zentral geschult. Die Workshops dienen daneben dem Erfahrungsaustausch und der Schaffung einer „Community“.

Ziel 2015

Unsere Mitarbeiter informieren und trainieren wir fortlaufend zum Thema „Compliance“. Die „Corporate Compliance“-Broschüre liegt in 42 Sprachen vor. Um die Bedeutung des Themas stetig im Bewusstsein unserer Mitarbeiter zu verankern, haben wir ein webbasiertes Training „Corporate Compliance Basics“ entwickelt, das 2010 eingeführt wurde. Es wurde 2010 weltweit bereits von rund 19.800 leitenden Mitarbeitern erfolgreich abgeschlossen (das entspricht rund 61 % aller leitenden Mitarbeiter und rund 18 % der Gesamtbelegschaft).
Aufgrund ihrer Stellung im Unternehmen sind unsere Führungskräfte besonders dazu verpflichtet, Vorbild für ihre Mitarbeiter zu sein, die „Compliance“-Botschaft verstärkt in die Organisation zu tragen sowie deren Durchsetzung durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen. Führungskräfte können zur Rückzahlung variabler Vergütungsanteile für maximal fünf zurückliegende Jahre verpflichtet werden, wenn es in ihrem Verantwortungsbereich systematische Verstöße gegen das geltende Gesetzesrecht mit finanziellem Schaden für Bayer gegeben hat, die durch geeignete Maßnahmen hätten verhindert werden können. Für die Bewertungsperiode 2010 wurde ein festes „Compliance“-Ziel in die Leistungsbewertung der Konzernführungskräfte aufgenommen.
Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, Verletzungen der „Corporate Compliance Policy“ unverzüglich zu melden. Entsprechende Hotlines, die auch eine anonyme Meldung erlauben, sind weltweit eingerichtet. Aufgrund von Besonderheiten der nationalen Rechtslage gilt diese Meldepflicht nicht in Frankreich. Im Berichtsjahr wurden über die zentrale „Compliance Hotline“ und Mailadresse insgesamt 29 relevante Meldungen registriert – fünf aus Deutschland und 24 aus aller Welt. Davon gingen 27 Meldungen per Mail ein (14 anonym) und zwei per Telefon (eine anonym).
Die Konzernrevision prüft regelmäßig im Auftrag des konzernübergreifenden „Group Compliance Committee“ die Wirksamkeit der „Corporate Compliance Policy“.

Unser Risikomanagement

Jedes unternehmerische Handeln ist untrennbar mit Chancen und Risiken verbunden. Aus diesem Grund ist ein wirksames Management von Chancen und Risiken ein bedeutender Erfolgsfaktor zur nachhaltigen Sicherung des Unternehmenswertes.
Im Bayer-Konzern ist die Steuerung von Chancen und Risiken integraler Bestandteil des konzernweiten Systems der Unternehmensführung und nicht Aufgabe einer bestimmten organisatorischen Einheit. Unser Risikomanagement schließt Nachhaltigkeitsaspekte ein, denn diese tragen zur Sicherung des Unternehmenswerts bei. Sie gehören – genauso wie einwandfreie Produktqualität und gesetzeskonformes Handeln – zu den Voraussetzungen dafür, dass wir den Geschäftsbetrieb langfristig aufrechterhalten und den ökonomischen Erfolg fortführen können. Dies verlangen wir auch von unseren Lieferanten.
Zentrale Bestandteile des Chancen- und Risikomanagementsystems sind der Planungs- und Controllingprozess, das konzerninterne Regelwerk und das Berichtswesen. In regelmäßigen Konferenzen zur Geschäftsentwicklung werden die Chancen und Risiken, die in den Strategien der strategischen Geschäftseinheiten und der Regionen qualitativ und quantitativ bewertet werden, aktualisiert und Ziele und Steuerungsmaßnahmen vereinbart.
Die Grundsätze des Risikomanagements im Bayer-Konzern sind in einer Richtlinie dokumentiert und im konzernweiten Intranet veröffentlicht. Die Richtlinie enthält grundlegende Prinzipien gemä�� den Anforderungen des „Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)“. Sie umfasst die Grundsätze zur Früherkennung, Kommunikation und Behandlung von Risiken.
Risiken werden im Bayer-Konzern systematisch und fortlaufend identifiziert, analysiert und in einer Datenbank erfasst. Als Risiko gelten Ereignisse und mögliche Entwicklungen innerhalb oder außerhalb des Unternehmens, die eine nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts gefährden. Risikorelevante Informationen werden regelmäßig sowie ad hoc erhoben. Die Dokumentation umfasst neben der Risikobeschreibung eine Bewertung nach Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit sowie Maßnahmen zur Überwachung und Steuerung. Die inhaltlichen Kriterien hierzu sind in einer Verfahrensanleitung („BayRisk Instruction“) geregelt. Das Risikomanagement ist auf Konzernebene dem Finanzvorstand zugeordnet. Klare Verantwortlichkeiten in den Unternehmensbereichen gewährleisten ein effizientes Risikomanagementsystem. Mehr zum Risikomanagement in den Teilkonzernen [ @57 ] findet sich in unserem Online-Bericht.
Verantwortlich für die Koordination der konzernweiten Erfassung und Dokumentation von Risikofeldern und für die Weiterentwicklung des Risikomanagementsystems ist die Konzernrevision. Die Wirksamkeit des Risikomanagementsystems wird regelmäßig von der Konzernrevision überprüft. Darüber hinaus beurteilt der Abschlussprüfer im Rahmen seiner Jahresabschlussprüfung das Risikofrüherkennungssystem und erstattet Konzernvorstand und Aufsichtsrat regelmäßig hierüber Bericht.
Bayer verfügt über Produktionsstätten in mehr als 100 Ländern. Einige können durch die Folgen von Naturereignissen, etwa Überschwemmungen oder Wirbelstürme, zunehmend betroffen sein. Ein Gefahrenabwehrsystem („Bayer Emergency Response System“, BAYERS) zum Schutz der Mitarbeiter, der Nachbarn, der Umwelt und der Produktionsanlagen ist daher verpflichtender Bestandteil der integrierten HSEQ (Health, Safety, Environment, Quality)-Managementsysteme an unseren Produktionsstandorten. Grundlage hierfür legt die Handlungsanweisung „Krisenmanagement im Konzern bei außergewöhnlichen Ereignissen“ fest.
In unserem Geschäftsbericht 2010 findet sich ein ausführlicher Chancen- und Risikobericht.

News

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Bayer-Mitarbeiter Gary Xi in der Anlage zur Herstellung des Hochleistungskunststoffs Polycarbonat in Shanghai.
Investition in Wachstumsmarkt China
Bayer will seine Kapazitäten zur Produktion hochwertiger Materialien in China bis zum Jahr 2016 erheblich ausbauen. Dazu sind am Standort Shanghai Investitionen von rund einer Milliarde Euro geplant. Bayer richtet seinen Fokus damit noch stärker auf den asiatisch-pazifischen Raum, in dem das Unternehmen ein anhaltendes Wachstum seiner Abnehmerbranchen erwartet. So sollen die Kapazitäten für den Polyurethan-Rohstoff MDI auf eine Million Jahrestonnen und für den Hochleistungskunststoff Polycarbonat auf 500.000 Jahrestonnen mehr als verdoppelt werden. Außerdem ist vorgesehen, die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten dort deutlich zu stärken. Ziel ist, eine größere Nähe zum speziell in Asien boomenden Polycarbonat-Markt zu erreichen.

Rechtliche Risiken

Zu den Risiken, denen wir ausgesetzt sind, zählen insbesondere Rechtsstreitigkeiten oder -verfahren, an denen wir aktuell beteiligt sind oder die sich in der Zukunft ergeben könnten. Dazu gehören Risiken aus den Bereichen Produkthaftung, Wettbewerbs- und Kartellrecht, Patentrecht, Steuerrecht sowie Umweltschutz. Die Ergebnisse von gegenwärtig anhängigen beziehungsweise künftigen Verfahren sind nicht vorhersagbar, sodass aufgrund von gerichtlichen oder behördlichen Entscheidungen oder der Vereinbarung von Vergleichen Aufwendungen entstehen können, die nicht oder nicht in vollem Umfang durch Versicherungsleistungen abgedeckt sind und wesentliche Auswirkungen auf unser Geschäft und seine Ergebnisse haben können.
Eine Beschreibung der aus heutiger Sicht wesentlichen Rechtsrisiken befindet sich im Bayer-Geschäftsbericht 2010.

Offene und transparente Wahrnehmung politischer Interessen

Gesetzgebung und Politik prägen die Rahmenbedingungen unseres Geschäfts entscheidend. Als global agierendes Unternehmen wollen wir aktiv unser Know-how einbringen und an politischen Entscheidungsprozessen teilnehmen. Politische Interessenvertretung sehen wir als eine wichtige und legitime Möglichkeit dazu. Als Basis für diese Aktivitäten haben wir mit dem „Verhaltenskodex für verantwortungsvolles Lobbying [ 59 ]“ klare Regeln geschaffen. Unser Kodex entspricht in den Grundzügen dem Grünbuch Europäische Transparenzinitiative der Europäischen Union. Dies beinhaltet auch, dass ein Lobbyist zu erkennen geben muss, wessen Interessen er vertritt. Innerhalb des Konzerns ist unser „Bayer Community Council Politics“ für die Ausrichtung und Priorisierung der politischen Arbeit des Unternehmens verantwortlich. Dazu gehören sowohl konzernübergreifende Aufgaben wie die Publizierung des Bayer-Politikbriefs [ 60 ] oder die Eintragung in das Lobbyregister als auch die Bearbeitung teilkonzernspezifischer politischer Fragestellungen. Der Fokus der politischen Interessenvertretung [ @62 ] von Bayer liegt im Jahr 2011 auf den Bereichen Akzeptanz von Technologien und Produkten, Förderung und Honorierung von Innovation, nachhaltige Gesundheitssysteme, Chemikalienmanagement sowie Energiepolitik und Klimaschutz.
Bedeutende Schnittstellen sind die Verbindungsbüros in Berlin, Brüssel, Washington und Peking. Für mehr Transparenz hat sich Bayer als eines der ersten Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in das Register der Interessenvertreter der Europäischen Kommission [ 63 ] eintragen lassen und die relevanten Kosten – im Jahr 2010 insgesamt 1,85 MIO € – für die Lobbyarbeit auf EU-Ebene offengelegt. Wir erwarten eine solche Initiative auch in Deutschland und werden uns im Falle der Einführung an einem solchen Register beteiligen. Im Jahr 2010 haben wir für unser Berliner Verbindungsbüro 1,2 MIO € ausgegeben. Dies beinhaltet Personal-, Sach- und Projektkosten. In den USA legt Bayer seine Lobbykosten in mehreren offiziellen Datenbanken offen, welche die Kosten in unterschiedlichen Bemessungsräumen berechnen.
Gemäß seinen o. g. Richtlinien verpflichtet sich Bayer, keine direkten Spenden an politische Parteien, parteinahe Institutionen, Politiker oder Kandidaten für ein politisches Amt zu leisten. Die Verbände, in denen wir Mitglied sind, spenden allerdings unter Berücksichtigung der jeweiligen gesetzlichen Regelungen, insbesondere der Parteigesetze, in eigener Verantwortung. In den USA nutzen Bayer-Mitarbeiter die Möglichkeit, einzelne Kandidaten für parlamentarische Ämter durch private Spenden über das „Bayer Corporation Political Action Committee“ (BayPac) zu unterstützen. „Political Action Committees“ sind in den USA staatlich reglementierte und rechtlich selbstständige Vereinigungen der Mitarbeiter zur Sammlung und Verwendung privater Spenden an politische Kandidaten und Organisationen. Diese Spenden sind daher keine Unternehmensspenden. Die BayPac-Beiträge werden regelmäßig an die US- Wahlaufsichtsbehörde „Federal Election Commission [ 61 ]“ gemeldet. Alle Details sind auf der Website der „Commission“ transparent abrufbar.
Im Oktober 2010 behauptete das „Climate Action Network“, Bayer unterstütze systematisch US-Politiker im Senatswahlkampf, die den Klimawandel infrage stellen und Maßnahmen zum Schutz des Klimas blockieren. Dieser Vorwurf ist falsch, da Bayer als Unternehmen keinen Einfluss auf die Verteilung der privaten Gelder nehmen kann. Bayer bekennt sich zum Klimaschutz und hat bereits 2007 ein ehrgeiziges Klimaprogramm initiiert.

News

CO-Pipeline übertrifft Sicherheitsstandards

Bayer hat zwischen den deutschen Standorten Dormagen und Krefeld-Uerdingen eine 67 Kilometer lange Pipeline zum Transport von Kohlenmonoxid errichtet. CO ist einer der wichtigsten Grundbausteine der Chemie und wird zur Herstellung hochwertiger Kunststoffe benötigt. Die Inbetriebnahme der Pipeline verzögerte sich bislang wegen gerichtsanhängiger Klagen gegen das Projekt und durch behördliche Auflagen. Der nordrhein-westfälische Landtag hat allerdings mehrfach festgestellt, dass das Projekt dem Allgemeinwohl dient. Auch aus Sicht von Bayer stellt die Pipeline ein wichtiges Infrastruktur-Vorhaben dar, das den gesamten Wirtschaftsstandort NRW und die Arbeitsplatzsituation stärkt. Mit dem Sicherheitskonzept der Versorgungsleitung, die rechtsrheinisch so weit wie möglich entlang bereits bestehender Infrastruktur-Trassen verläuft, übertrifft Bayer die bisherigen Standards und geht über die gesetzlichen Vorschriften hinaus. Pipelines sind das sicherste und ökologischste Transportmittel für die meisten flüssigen und gasförmigen Stoffe. Weltweit wird Kohlenmonoxid sicher über Pipelines befördert. Mehr zur CO-Pipeline finden Sie im Bayer Web [ 58 ].

Engagement in den Regionen

Als internationales Unternehmen tragen wir in vielen Regionen der Welt zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung bei. Bayer versteht sich als regionaler Arbeitgeber mit dem Ziel, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. An unseren Standorten tragen wir zur sozialen Sicherung bei und stärken zudem die Kaufkraft in den Regionen. Im Berichtsjahr beliefen sich allein unser Personalaufwand, die Aufwendungen zur Altersversorgung und Pensionsverpflichtungen auf insgesamt 25.798 MIO €. Zusätzlich fließen regional erhobene Unternehmenssteuern an die Gemeinden, in denen wir tätig sind.
2_Personalaufwand und Pensionsverpflichtungen* (weltweit in Mio. Euro)
2006**2007200820092010
Personalaufwand6.6307.5717.4917.7768.099
– davon soziale Abgaben und Altersversorgung1.4141.6111.5131.4901.623
Pensionsverpflichtungen***16.70815.02214.91015.93117.699

* Vorjahreswerte 2006 bis 2009 wie zuletzt berichtet
** In den Daten zu 2006 ist Schering ab dem 23. Juni 2006 enthalten.
*** Anschaffungsbarwert der leistungsorientierten Verpflichtungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen

Darüber hinaus investieren wir in die Forschung vor Ort, was vielfältige Kooperationen mit regionalen Wissenschaftseinrichtungen belegen, so stärkt z. B. Bayer HealthCare seine Forschung durch ein neues US-Innovationszentrum bei San Francisco (USA), Bayer CropScience unterstützt u. a. Forschung im „Department of Plant and Soil Science” an der Texas Tech Universität (USA) und Bayer MaterialScience eröffnete 2010 ein Forschungszentrum für funktionale Folien in Singapur.
Bayer investiert weltweit in seine Standorte – und berücksichtigt dabei Umweltaspekte über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Für alle Investitionsvorhaben, die 10 MIO € überschreiten, führen wir eine freiwillige ökologische Beurteilung durch.
In China wird Bayer seine Kapazitäten weiter ausbauen. Die Weiterentwicklung der deutschen Standorte durch Neuansiedlungen ist eine wesentliche Aufgabe vom Chempark-Betreiber Currenta. Dieser kooperiert mit dem Nanjing Chemical Industry Park (China), um Erfahrungen auszutauschen, aber auch für gemeinsame Schulungen sowie einen zeitlich befristeten Austausch von Mitarbeitern.
In ländlichen Regionen in Indien will Bayer CropScience einen Beitrag zur Verbesserung des Lebensstandards durch erhöhte Wertschöpfung und Reinvestition dieser Wertschöpfung vor Ort leisten und startete dazu 2010 das „Model Village Project [ 64 ]“. Wir beabsichtigen hier als ersten Schritt, eine systematische Tröpfchenbewässerung in der Saatgutproduktion einzusetzen. Auch wollen wir in nächsten Schritten weitere geeignete Maßnahmen einführen, wie beispielsweise einen direkten Marktzugang für Farmer oder Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder. Die Hochschule Pforzheim ist hier in die Entwicklung weiterer Konzepte als Partner eingebunden.
In vielen Regionen stellt unser Einkaufsvolumen ebenfalls einen beträchtlichen Entwicklungsfaktor dar. In mehr als 110 Ländern kauften wir im Berichtsjahr für rund 14 MRD € bei etwa 94.000 Lieferanten. Bei den OECD-Ländern spielten neben Deutschland die Vereinigten Staaten sowie, mit etwas Abstand, Japan die wichtigste Rolle. Diese Länder vereinen knapp 70 % der Ausgaben auf sich. Bei den Nicht-OECD-Ländern nehmen asiatische Länder die Spitzenplätze ein. China, Indien, Thailand und Singapur teilen sich vier der ersten fünf Plätze – lediglich Brasilien auf Platz zwei durchbricht diesen Trend.
3_Anzahl der Lieferanten und Ausgaben nach Wirtschaftsregionen
Lieferanten (in %)Ausgaben (in %)
Nicht-OECD-Länder (ca. 70 % aller Länder)2816
OECD-Länder (ca. 30 % aller Länder)7284
Total100100
Über die reinen Geschäftsbeziehungen zu Mitarbeitern und Lieferanten hinaus engagiert sich Bayer weltweit auch gezielt gesellschaftlich an seinen Standorten. Weitergehende Informationen zu unserem Engagement finden sich im Kapitel „Gesellschaftliches Engagement“.

Standards für gute Beziehungen – unser Lieferantenmanagement

Der Einkauf von Produkten und Dienstleistungen in differenzierten Märkten und Verwendungsorten stellt eine besondere Herausforderung an unsere Einkaufsorganisation.
Damit Qualitäts-, aber auch Umwelt- und Sozialstandards entlang der Lieferkette eingehalten werden, übernimmt Bayer Verantwortung im täglichen Umgang mit seinen aktuell etwa 94.000 Lieferanten. In der konzernweiten Leitlinie der „Procurement Community [ 65 ]“ sind die Grundsätze unserer Einkaufspolitik festgelegt, die klar unsere Werte und Führungsprinzipien widerspiegeln. Mit zahlreichen Initiativen unterstützt der Einkauf die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens, so u. a. im Rahmen unseres Klimaprogramms.

Klare Anforderungen an unsere Lieferanten

Ende 2009 haben wir einen „Supplier Code of Conduct [ 67 ]“ (Verhaltenskodex für Lieferanten) eingeführt, der auf den Prinzipien des „UN Global Compact [ 68 ]“ aufbaut und die Bereiche Ethik, Umgang mit Mitarbeitern, Managementsysteme sowie Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz und Qualität (HSEQ) umfasst. Darunter fallen beispielsweise das Verbot von Korruption und Kinderarbeit, die Achtung der Menschenrechte, die Gewährleistung von Produktsicherheit, Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz oder der sorgsame Umgang mit Ressourcen. Bayer erwartet von seinen Lieferanten, dass sie den Nachhaltigkeitsgrundsätzen dieses Verhaltenskodexes zustimmen. Er ist fester Bestandteil des Lieferantenauswahl- und -bewertungsprozesses und wurde 2010 konzernweit in die elektronischen Bestellsysteme und Verträge integriert.

Dialog

Weltweite Lieferantentage für mehr Nachhaltigkeit im Einkauf

Lieferantentage sollen den Lieferanten helfen, Nachhaltigkeit in ihren eigenen Unternehmen umzusetzen. 2010 fand der erste „Supplier Day“ in China statt.
Bayer informierte 2010 über 400 seiner wichtigsten Zulieferer über sein Verständnis von Nachhaltigkeit. Mit diesen weltweiten Dialogen wollen wir Lieferanten zeigen, welche Anforderungen Bayer mit Nachhaltigkeit im Einkauf verbindet und wie sie diese in ihren eigenen Unternehmen umsetzen können. Bayer MaterialScience hat im März 2010 den ersten „Supplier Day“ in China durchgeführt. Mit Erfolg: 90 Teilnehmer von 54 Unternehmen in Asien folgten der Einladung. 2010 fanden weitere Lieferantentage u. a. in Deutschland, Spanien, Großbritannien und Indien statt. Um seinen Partnern einen besonderen Anreiz zum nachhaltigen Wirtschaften zu liefern, zeichnet Bayer CropScience in Indien, als größte Bayer-Einkaufsorganisation vor Ort, seine Lieferanten mit einem eigenen Nachhaltigkeitspreis aus.

Schulungen unserer Einkäufer

Mit einem web-basierten Training qualifizieren wir unsere Einkäufer für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Umgang mit dem Verhaltenskodex. Die drei Trainingsmodule sind für die Einkäufer verpflichtend und umfassen die Grundsätze der Nachhaltigkeit, die Inhalte des Verhaltenskodexes sowie die Anleitung zur Lieferantenauswahl und -evaluierung, die das vierstufige Vorgehen bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes festlegt. Die Schulungsinhalte werden stetig weiterentwickelt und an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst. 2010 haben wir über die strategischen Einkäufer hinaus 200 weitere Mitarbeiter mit Einkaufsfunktion geschult.

Unsere Nachhaltigkeitsgrundsätze beim Lieferanten überprüfen

Mit Lieferanten-Selbsteinschätzungen und Audits überprüfen wir, ob die Anforderungen des Verhaltenskodex für Bayer-Lieferanten in der Lieferkette umgesetzt und eingehalten werden.
Die Auswahl der zu überprüfenden Lieferanten erfolgt anhand eines länderbasierten Risikoansatzes. Grundlage für diesen Ansatz ist der „Bayer-Länder-Index für Nachhaltigkeitsrisiken“, der auf Risikobewertungen verschiedener internationaler Indizes, wie z. B. dem „Corruption Perception Index [ 66 ]“ von „Transparency International“, basiert. Basierend auf diesem Risikoansatz wurden im Jahr 2010 insgesamt 147 Lieferanten, vor allem aus China, aber auch aus Indien, Thailand, den Philippinen und Guatemala, mit einem standardisierten Fragebogen bewertet. Zusammen mit den bereits 2009 durchgeführten Bewertungen haben wir damit schon eine 50 %ige Abdeckung aller Risikolieferanten, gemessen am Ausgabevolumen, erreicht, die kontinuierlich erhöht werden soll. Im Jahr 2010 wurden zusätzlich 124 Lieferanten aus Nicht-Risikoländern beurteilt. Diese wurden von den Teilkonzernen aufgrund geschäftsrelevanter Kriterien ausgewählt. Darüber hinaus gab es länderspezifische Projekte, wie zum Beispiel die Bewertung von über 200 Lieferanten in Indien.
Gemeinsam mit einem externen unabhängigen Auditor haben wir 2010 bei Lieferanten in China erste Pilot-Nachhaltigkeitsaudits vornehmen lassen. Mit derartigen Audits wollen wir auch zukünftig stichprobenartig die Angaben der Lieferanten im Fragebogen sowie die Realisierung der vereinbarten Entwicklungsmaßnahmen überprüfen.
Mithilfe der Ergebnisse aus den Lieferantenfragebögen und Audits ermitteln wir, ob der Lieferant den Nachhaltigkeitsanforderungen von Bayer entspricht oder ob gemeinsam mit ihm Entwicklungsmaßnahmen und -ziele definiert werden müssen. 2010 wurden Maßnahmenpläne mit mehreren Lieferanten erarbeitet. Diese werden zentral dokumentiert und ihre Umsetzung nachverfolgt. Bislang war keiner der Verstöße so schwerwiegend, dass dies Ausschlüsse oder Vertragskündigungen bei Lieferanten zur Folge hatte.
Darüber hinaus unterziehen wir den Prozess einer kontinuierlichen Evaluierung und setzen uns bis 2015 ambitionierte Ziele. Des Weiteren werden alle Bausteine, wie z. B. die Nachhaltigkeitsstandards, der Fragebogen, der Lieferantenentwicklungsprozess, regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.

Kontinuierliche Verbesserung

Knapp ein Jahr nach Einführung des „Bayer Supplier Code of Conduct“ haben wir zusammen mit einer externen Beratungsfirma unsere Prozesse überprüft. Die Empfehlungen aus dieser Untersuchung haben wir bereits in unseren Zielen für 2011 verankert:
  • Ausweitung des derzeitigen länderbasierten Risikoansatzes: zusätzliche Überprüfung strategischer und Schlüssellieferanten aus Nicht-Risikoländern
  • Vermehrte Durchführung von nachhaltigkeitsspezifischen Lieferantenaudits durch unabhängige, externe Auditoren
  • Verbesserung des zentralen Reporting und Monitoring durch schrittweise Integration von Nachhaltigkeitsbewertungen in ein konzernweites Lieferantenmanagementsystem.

Menschenrechte als Maßstab

Ein besonderes Augenmerk liegt für Bayer auf der Wahrung der Menschenrechte. Der Bayer-Verhaltenskodex für Lieferanten folgt daher ganz bewusst den Prinzipien des „UN Global Compact“ und baut auf den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und unserer Menschenrechtsposition auf. Mit dem Kodex wollen wir das gemeinsame Grundverständnis zur Umsetzung von Nachhaltigkeit im geschäftlichen Alltag bei uns und unseren Lieferanten stärken. Dem Schutz der Mitarbeiter und ihrer fairen und respektvollen Behandlung gilt unsere besondere Aufmerksamkeit. Unser Hauptaugenmerk richten wir dabei auf die Überprüfung der Einhaltung des Verbots von Kinderarbeit.
Leider ist in vielen Regionen der Welt Kinderarbeit noch weit verbreitet. Auch in einigen Ländern, in denen wir tätig und vertreten sind, werden traditionell immer noch Kinder beispielsweise für die Feldarbeit eingesetzt, um zum Lebensunterhalt der Familien beizutragen. Im Sinne unserer Position zum Thema Menschenrechte verpflichten wir Lieferanten entlang unserer Lieferkette, auf Kinderarbeit zu verzichten.
Seit vielen Jahren engagiert sich Bayer CropScience in Indien mit dem „Bayer Crop-Science Child Care Program [ 71 ]“ konsequent und systematisch gegen Kinderarbeit in unserer Baumwoll-Saatgutzulieferkette. Das wichtigste Ziel des Programms ist es, eine Bewusstseinsänderung bei den Menschen zu erreichen: Landwirtschaft kann auch ohne den Einsatz von Kindern wirtschaftlich erfolgreich sein. Bildung kommt dabei eine Schlüsselfunktion für eine dauerhafte Verbesserung der Lebensumstände von Kindern zu.
Zu einer verbesserten Bildungssituation trägt unsere „Learning for Life [ @69 ]“-Initiative bei, deren Projekte wir als Teil des Kinderschutzprogramms zusammen mit lokalen Nichtregierungsorganisationen und Schulbehörden ins Leben gerufen haben. Schulen und Ausbildungszentren bieten den Kindern Bildungschancen, von der Wiedereingliederung in das reguläre Schulsystem bis hin zur Berufsausbildung. Mehr als 2.400 Kinder und Jugendliche haben von 2005 bis 2010 von diesen Angeboten profitiert. Gegenwärtig liegt der Fokus der Initiative auf einer berufsqualifizierenden Ausbildung. Weitere Informationen und detaillierte Zahlen zu den Bildungsmaßnahmen haben wir im Internet aufbereitet.
Diese Bildungsmaßnahmen werden ergänzt durch vertragliche Vereinbarungen mit den Saatgut-Produzenten. Außerdem werden mindestens sechsmal pro Anbausaison die Felder der Baumwoll-Saatgutproduktion kontrolliert. Zudem zahlen wir einen Bonus an die Zulieferer, die sich strikt an das Kinderarbeitsverbot halten und veranstalten Schulungen zur landwirtschaftlichen Effizienzsteigerung. Im Falle eines Verstoßes erfolgen abgestufte Sanktionsmaßnahmen, die von der mündlichen Verwarnung bis hin zur Vertragskündigung im Wiederholungsfall reichen. Zusätzlich werden einmal jährlich bei zufällig ausgewählten Farmen unangekündigte Vor-Ort-Besuche von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, Indien, durchgeführt.
Den Erfolg unseres umfassenden Maßnahmenpaketes messen wir mit zwei Indikatoren. Die Tabelle zeigt die Entwicklung seit der Kharif-Saison 2005/2006.
4_Ergebnisse des Feldmonitorings: Produktion Baumwollsaatgut Kharif-Saison (Indien)
2005/
2006
2006/
2007
2007/
2008
2008/
2009
2009/
2010
2010/
2011
Kinderarbeitsunfälle pro überprüftem Acre*0,570,150,0140,010,0020,001
Anteil Kinder in % an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte13,92,80,310,240,060,03

* 1 acre = 4.046,86 m2

2010 haben wir damit begonnen, interessierten Stakeholdern unser Kinderschutzprogramm [ @70 ] in der Baumwoll-Saatgutproduktion vorzustellen und den Dialog weiter zu intensivieren. In der Gemüse-Saatproduktion wurde im Berichtszeitraum das systematische Feldmonitoring fortgeführt. 2010 haben wir wie angekündigt begonnen, das Programm auf unsere Saatgutproduktion für Hybridreis auszuweiten.
http://www.nachhaltigkeit2010.bayer.de/de/Unternehmensfuehrung.aspx

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